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Anna Karolina Larsson
Der Pavian
(Stölt av Babian)

Berlin Verlag
2016
Übersetzt von Max Stadler
560 Seiten
ISBN-13: 978-3833310171
€ 9,99


Von Hans Durrer am 16.09.2016

  „Schnell, witzig und ganz schön hart ... Ein sensationelles Debüt aus Schweden“, preist der Verlag diesen Thriller. Und hat Recht damit, da stimmt alles, wirklich alles..
 
  Worum geht's? Amanda und ihre ältere Schwester Sanna wachsen in einem kleinen Ort in Östergötland in einer für schwedische Verhältnisse relativ anormalen Familie auf: ihr Eltern sind nicht geschieden, sie verleben eine glückliche Kindheit. Mit zwanzig zieht Sanna nach Stockholm, kommt in schlechte Gesellschaft und mit Drogen in Kontakt. Sie bringt sich um, so scheint es.
 
  Amanda will wissen, was dahinter steckt. Um es rauszufinden, wird sie Polizistin. Sie plant, manipuliert, hat jedoch nicht immer alles so unter Kontrolle, wie sie es wünscht – sie verliebt sich.
 
  Die Geschichte dreht sich im wesentlichen um drei Hauptakteure. Amanda, die den Tod ihrer Schwester Sanna rächen will. Adnan, der Kleinkriminelle, der Sanna, wie Amanda vermutet, mit Drogen versorgt hat. Magnus, der Polizist, der nicht nur seine Emotionen nicht im Griff hat, sondern ein gewalttätiger Psychopath ist.
 
  Ins Spiel kommen auch die jugoslawische Mafia, russische Kriminelle, der dubiose Besitzer mehrerer Nachtclubs. Und natürlich geht es, wie in Krimis so üblich, auch um Drogen, Prostitution, Raub, Waffen und Gewalt.
 
  Genauso spannend wie das Thriller-Geschehen sind auch die Nebenhandlungen: die anschauliche Schilderung der Zwänge, denen etwa Magnus unterliegt, die überzeugende Charakterisierung der auf ihr Ziel fokussierten, kalt berechnenden und starken Amanda, der differenzierte Blick auf das Macho-Gehabe des arabischstämmigen Adnan. Höchst beeindruckend ist, wie die Autorin die drei Schicksale miteinander verknüpft. Und dass sie es schafft, bei diesem voluminösen Umfang (558 Seiten), die Spannung nicht nur beizubehalten, sondern gegen Ende noch zu steigern.
 
  Auch wunderbar witzige Szenen gibt es, die von einem Mann so vermutlich nicht geschrieben hätten werden können. Als etwa Adnan Amanda fragt, ob sie ihm beim Hemdenbügeln zur Hand gehen könne, zeigt sie ihm, wie es geht, doch das reicht ihm nicht, er möchte, dass sie es für ihn tut.
 
  „Aber du bist viel besser darin.“ Er stellte sich dicht neben sie und knabberte an ihrem Ohrläppchen.
  „Das kommt nur davon, weil du es noch nie gemacht hast. Oder?“
  „Nein, das ist doch Frauenarbeit.“
  „Ach so? Aber es ist dein Hemd.“
  Amanda löste sich aus seiner Umarmung und ging in die Küche hinaus ...
 
  Erzählt wird unter anderem auch die Geschichte von Pia, Magnus' Frau, die versucht, mittels Tagebuchschreiben, sich darüber klar zu werden, wie sie sich ihrem gewalttätigen Ehemann gegenüber verhalten soll. Ein schwieriger, beklemmender und letztlich befreiender Prozess.
 
  „Der Pavian“ ist ein cleverer, vielschichtiger und herausragender Thriller.

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