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Joël Dicker
Die Geschichte der Baltimores
(Le Livre de Baltimore)

Piper
2016
Übersetzt von Andrea Alvermann und Brigitte Große
512 Seiten
ISBN-13: 978-3492057646
€ 24,-


Von Hans Durrer am 17.08.2016

  Joël Dicker, 1985 in Genf geboren, studierter Jurist und Autor des Bestsellers „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, hat mit „Die Geschichte der Baltimore“ das Nachfolgewerk geschrieben. Und natürlich fragt man sich, ob es ihm wiederum gelingen wird, den Leser so zu fesseln wie es der überaus erfolgreiche Harry Quebert, der in 40 Sprachen übersetzt worden und millionenfach über den Ladentisch gegangen ist, geschafft hat. Und die Antwort ist so simpel wie eindeutig: Ja, er hat. Und das liegt daran, dass Dicker ein geborener Erzähler ist.
 
  Obwohl: Seine Aufsatznoten in der Schule waren schlecht. „Ich verstand nur Bahnhof, wenn der Lehrer sagte, wir müssten den Text in Einführung, Hauptteil und Schluss gliedern“, sagte Dicker der Neuen Zürcher Zeitung. Andrerseits: Was sagen Schulnoten schon über Talent aus?
 
  „Die Geschichte der Baltimores“ handelt vom Erfolg und Niedergang zweier Familien, den Goldmans aus New Jersey (typischer Mittelstand) und den Goldmans aus Baltimore (erfolgreich und wohlhabend). Und da sind dann auch noch die Nevilles und ihre Tochter Alexandra. Und Intrigen, Eifersucht und Neid, was eben so dazugehört.
 
  Man weiss schon bald, dass eine Katastrophe geschehen wird und ist natürlich begierig, zu erfahren, was es denn nun damit auf sich hat, man erfährt es jedoch erst gegen Ende des Buches. Es ist das Geheimnis von Joël Dickers Schreiben, dass er einen dazu bringt, sich in Hunderte von Seiten zu vertiefen und nicht ganz einfach vorzublättern, weil man nicht warten will, um zu erfahren, was es mit dieser Katastrophe auf sich hat.
 
  Das hat natürlich auch damit zu tun, dass nicht nur eine Geschichte erzählt wird, sondern ganz viele Geschichten. Etwa die vom Aufstieg und Fall des Anwalts Saul Goldman. Oder die seines Neffen Marcus Goldman, der als Schriftsteller reüssiert. Oder die Liebesgeschichte von Marcus und Alexandra. Oder die von Woody und Colleen. Alle diese Geschichten sind auch für sich allein spannend, berührend und stimmig.
 
  Verblüffend an Joël Dickers Schreiben ist (wie schon bei Harry Quebert), wie überzeugend es diesem jungen Genfer Autor gelingt, wiederum einen Amerika-Roman zu schreiben. Zu tun hat das vielleicht auch damit, dass man sich das Geschilderte in Amerika gut vorstellen kann, in der Westschweiz, aus der der Autor stammt, hingegen eher nicht.
 
  Der Mann versteht sein Handwerk, weiss wie man einen wunderbar unterhaltenden Roman schreibt.
 
  „Das Buch ist am Ende, tut mir sehr leid für sie“, lässt Dicker einen Filmproduzenten sagen. „In zwanzig Jahren liest kein Mensch mehr. Das ist nun mal so. Die Leute sind nur noch damit beschäftigt, wie blöd auf ihren Handys rumzuspielen.“
 
  Gescheiter wäre es, „Die Geschichte der Baltimores“ zu lesen.

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