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Jean Raspail
Das Heerlager der Heiligen

Verlag Antaios
2015
416 Seiten
ISBN-13: 978-3944422121


Von Hans Durrer am 07.08.2016

  Ob es nun der erste Satz, der erste Abschnitt oder die ersten paar Seiten sind, die darüber bestimmen, ob mich ein Buch packt oder eben nicht, wer will das schon mit Sicherheit sagen? Im Falle von Jean Raspails „Das Heerlager der Heiligen“ genügten die ersten eineinhalb Sätze, um meine Neugier zu entfachen: „Die Gedanken des alten Professors waren ausgesprochen einfach. Er hatte zuviel gelesen, zuviel nachgedacht und zuviel geschrieben, als dass er eine Äusserung gewagt hätte, die über das Niveau eines Drittklässlers hinausgegangen wäre ...“.
 
  Der alte Professor lebt in einem Haus in den Hügeln an der südfranzösischen Küste, einem Teil der Welt, der gemeinhin mit Luxus assoziiert wird. Vor der Küste ist eine Armada rostiger Schiffe mit einer Million hungernder Inder an Bord aufgetaucht.
 
  Die westliche Welt hatte vom Aufbruch der Schiffe in Indien durchaus Kenntnis genommen, war jedoch keineswegs beunruhigt, denn die öffentliche Meinung (die Medien sind dazu da, den Medieneigentümern Geld einzubringen) gehorcht den Kriterien des Entertainments, das den Ernstfall nicht vorsieht. „Dies galt für die Einwandererflotte ebenso wie für jedes andere bedeutende und fremdartige Phänomen. Je grösser der Informationsfluss, desto bodenloser die Ignoranz, desto lauer die Reaktionen, desto krasser die Eitelkeit der Debattierenden. Wenn sich ab und zu doch einmal ein gewisser Elan zeigt, ist er meistens vulgär und geschmacklos.“
 
  Und überhaupt konnte man zu der Zeit noch hoffen, die Schiffe würden anderswo anlegen. Doch den Ägypter gelang es, sie abzuwehren, die von der ganzen Welt geächteten Südafrikaner drohten mit Krieg, obwohl ihnen von den Europäern grosszügige Hilfe angeboten wurde: „Wir zahlen jeden, aber auch wirklich jeden Preis solange wir selber, bitte, bitte, aus dem Spiel bleiben.“ Wer fühlte sich da nicht an das europäische Flüchtlingsgeschäft mit der Türkei erinnert!
 
  Obwohl die Südafrikaner „die Armada der letzten Chance“ nicht ins Land lassen, helfen sie ihr, versorgen ihre Passagiere auf hoher See mit Wasser und Lebensmitteln – die prompt ins Wasser geworfen werden. Die meisten Medien sympathisieren mit den Menschen auf den Schiffen („Almosen geben ist keine Lösung“), nur wenigen beginnt zu dämmern, dass da eine Invasion im Gange ist, dass der nackte Hass auf sie zukommt.
 
  Die Erstveröffentlichung dieses Werkes stammt aus dem Jahre 1973 und mutet angesichts der Schlepperrouten über das Mittelmeer sowie der Willkommenskultur der Merkel-Regierung geradezu prophetisch an. Nicht in den Details, in der Schilderung der Mechanismen: Regierende ohne Rückgrat, die sich als Gefangene ihrer selbst-kreiierten „political correctness“ nichts trauen, stromlinienförmige Medien, die nicht einmal merken, dass sie nichts anderes als mehrheitsfähig sind.
 
  Doch Raspail ist kein Vereinfacher, sondern einer, der differenziert aufzeigt, wie das wenig gesunde Selbstwertgefühl der Abendländer schnell erodiert, von Schuldgefühlen aufgefressen sowie von den Bedürftigen ausgenützt wird. Eindrücklich schildert er den modernen, saturierten Menschen, der dann Mitleid empfindet, wenn er weit weg vom Geschehen ist und dem alles nur in der Form von Unterhaltung nahegebracht werden kann. “Antirassismus ist schick und profitabel, solange es Spass macht und eine Show bleibt. Das kennen wir schon von anderen Gebieten. Der Kampf gegen den Krebs? Eine Show. Die Sahelzone? Eine Show. Die Umweltverschmutzung? Eine Show.“
 
  Übrigens: „Das Heerlager der Heiligen“ ist ein höchst eindringlicher, die Apokalypse heraufbeschwörender, gut geschriebener und spannend erzählter Roman mit viel Aufklärungspotential. Er sollte gelesen werden!

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