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Ken Bruen
Füchsin

Polar Verlag
2016
Übersetzt von Karen Witthuhn
184 Seiten
ISBN-13: 978-3945133316
€ 12,90


Von Hans Durrer am 29.07.2016

  Angie James ist schwer gestört. Sie weiss das. Und sie weiss auch, wie man das nicht zeigt, wie man sich versteckt. Meistens. Doch wie alle wirklich Gestörten ist sie unberechenbar. Und sehr gefährlich.
 
  „So sehr er Angie auch mochte – sie war die beste Frau, die er je gehabt hatte – , sie war irre, ihre Wildheit auf Dauer ermüdend. Sie brannte heller als jeder andere Mensch, der ihm je begegnet war, und wahrscheinlich würde sie sehr bald ausbrennen und alles um sich herum in Schutt und Asche legen. Ray hatte nicht vor, das mitzuerleben.“
 
  Ihr Gegenspieler, Detective Sergeant Brant, ist ähnlich psychopathisch wie sie. Es ist überhaupt ein Kennzeichen dieses höchst spannenden Krimis, dass einfach-gestrickte Charaktere darin nicht vorkommen: alle sind sie kompliziert und impulsiv, niemand hat sich wirklich im Griff, doch alle bemühen sich, die Fassade aufrecht zu halten. Genau wie im richtigen Leben.
 
  Worum gehts? Angie und ihre Komplizen Ray und Jimmy erpressen die Polizei mittels selbstgebastelter Bomben. Und sie kriegen das Geld, doch dann ... (das wird hier nicht verraten) ...
 
  Was „Füchsin“ lesenswert macht, ist Ken Bruens knappe Sprache, sein lakonischer und rasanter Erzählstil sowie seine No-Nonsense-Sicht der Welt. Gut drauf ist in diesem Krimi niemand, so ziemlich alle sind misstrauisch, rachsüchtig und meist kurz vor dem Explodieren.
 
  Meisterhaft und ausgesprochen realitätsnah sind auch seine „Hangover“-Schilderungen und seine Charakterisierung der Tabakindustrie gehört so recht eigentlich eingerahmt: „Wie viele 'Gelegenheits'raucher hatte er sich vorgestellt, jederzeit aufhören zu können. Diese Raucher sind der Tabakindustrie am liebsten. Was wir nicht sehen sollen, sind die verwüsteten Gesichter von Leuten wie dem Snooker-Ass Alex 'Hurricane' Higgins – eingefallen, abgehärmt und einsam – auf den Titelblättern. Das Geschäft läuft mit Typen, die glauben, nicht abhängig zu sein. Die ULTRALIGHTS rauchen und glauben, der Himmel würde ihnen nicht auf den Kopf fallen.“
 
  „Füchsin“ lohnt auch, weil es ein äusserst witziges Buch ist und ich immer mal wieder laut herauslachen musste:
  „Er begutachtete den Schaden, sagte: 'Sie alter Hund. Sie sind ja voll eingestiegen, mein lieber Segotia.'
 Segotia?
  Ein irischer Ausdruck, konnte entweder Freund oder Idiot bedeuten.“
 
  Gefallen haben mir auch die vielfältigen und anregenden Bezüge auf andere Bücher, Filme, Musik. Und dass auch ein akademisch gebildeter Autor „streetwise“ sein kann.
 
  Fazit: Ein grossartiger, rasanter und cleverer Kriminalroman, dessen Protagonisten immer wieder überraschen, weil sie sich nie voraussehbar und immer höchst unkonventionell verhalten.

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