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Carmen-Francesca Banciu
Leichter Wind im Paradies

PalmArtPress
2015
164 Seiten
ISBN-13: 978-3941524606
€ 16,90


Von Jan Cornelius am 13.07.2016

  Im winzigen mediterranen Dorf Stoupa, an der Südspitze des Peloponnes, hat die Erzählerin einen Sommer lang ihr griechisches Paradies gefunden, und wer dieses Buch liest, der hat das große Vergnügen, sich 160 Seiten lang an diesem magischen Ort aufzuhalten: „Der Mittelpunkt der Welt ist hier. Gerade da, wo ich mich befinde.“
 
  Nomen est omen, Carmen-Francesca ist eine geborene Erzählerin und zugleich Poetin. Die ineinanderübergehenden Episoden strotzen vor ansteckender Lebensfreude. Sie kommen federleicht und entspannt daher, in einer lakonischen, raffinierten Sprache und besitzen immer wieder Witz und eine wohltuende Ironie. Es duftet in diesem sehr sinnlichen Buch nach Melisse, Oreganoblätter und Zitronenblüten, eine Heuschrecke mit nur einem Fühler will in eine Zigarettenschachtel vordringen, eine Ameise rennt über die Laptoptastatur, und ein kauziger Dorfbewohner fragt die Erzählerin: „Wie lebst du in Deutschland ohne Krise?“ Die Freude und schließlich das Glück sind in den kleinen Dingen, in einem akribisch genau beobachteten Mikrokosmos zu finden. Hier eine kleine Leseprobe:
 
 Vor dem Schlafengehen im Badezimmer.
 Ein Grashüpfer hat die Spitze meiner elektrischen Zahbürste erklommen. Widersetzt sich meinen Versuchen, ihn davon zu treiben. Ich muss Gewalt anwenden. Er fliegt mir ins Gesicht. Zurück auf den Kopf der Zahnbürste. Krallt sich fest, Abwehrbereit steckt er mir ein Bein entgegen.
 Wir sind zwar gleichberechtigt hier, sage ich zu ihm. Aber die Zahnbürste gehört mir.
 Er schert sich einen feuchten Dreck darum.
 Grashüpfer haben keinen Respekt vor Privateigentum.
 Grashüpfer haben ihren eigenen Willen.
 Ich aber auch.
 
  Das Buch ist 2015 im neuen, kleinen aber sehr feinen Berliner Verlag PalmArtPress erschienen, von dem man gewiss noch des Öfteren hören wird.

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