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Deon Meyer
Icarus
Benny Griessel Band 5

Rütten & Loening
2015
Übersetzt von Stefanie Schäfer
432 Seiten
ISBN-13: 978-3352006715
€ 19,99


Von Hans Durrer am 30.06.2016

  Es mutet etwas eigenartig an, einen Thriller, dessen „Held“, der Polizist Bennie Griessel, ein Alkoholiker ist, der darum kämpft, seine Sucht in den Griff zu kriegen, mit diesem Zitat einzuleiten: „Nur die hassen den Wein, die ihn nicht kennen.“
 
  Nun ja, „Icarus“ spielt in Südafrika, neben dem Betreiber einer Internetplattform, die Alibis für Seitensprünge anbietet, und der ermordet wird, kommt eben auch der Weinbau und das Fälschen von Edelwein prominent vor und darin liegt wohl der Grund für das Zitat.
 
  Ein Kollege von Bennie Griessel hat seine Frau, seine zwei Töchter und sich selbst erschossen. Das ist zuviel für den trockenen Alkoholiker, er betrinkt sich. Und das wiederum ist fast zuviel für seine Freundin Alexa, selber Alkoholikerin, die es jedoch schafft, Bennies Pate bei den Anonymen Alkoholikern zu mobilisieren. Am nächsten Tag überrascht Bennie Alexa mit: „Ich bin jetzt stark genug, um zu trinken.“
 
  Der ermordete Internetplattform-Betreiber Ernst Richter ist ein in Südafrika bekannter und berüchtigter Mann; sein Tod ruft grosses Medieninteresse hervor. Die polizeilichen Ermittlungen schildert Autor Deon Meyer spannend: Da geht es um finanzielle Unregelmässigkeiten, um Drogen, falsch etikettierten Wein, Digital Dating und natürlich um Macht. Dies alles wird begleitet von der Frage, ob und wie Bennie Griessel mit dem Alkohol klar kommen wird.
 
  Der Spannung eher abträglich ist hingegen die parallel erzählte Geschichte des Weinbauern François du Toit, welcher der Rechtsanwältin Susan Peires sein Leben und das seiner Familie offenbart. Obwohl: das Porträt der lebenserfahrenen, selbstkritischen und gewitzten Anwältin ist wunderbar gelungen. Und nach und nach wird auch diese Parallelgeschichte spannend, dann nämlich als Helena du Toits älterer Sohn Paul, der Bruder von François, sich als Psychopath erweist. „Er könne es nicht ändern, dass er so sei, erklärte sie ihrem älteren Sohn. Dein Gehirn ist einfach anders vernetzt, du kannst kein Mitleid empfinden und auch keine Empathie. Es heisst, du wärst von Geburt an so und würdest immer so bleiben. Wir lieben dich, auch wenn du nie verstehen wirst, was das bedeutet.“
 
  Die Charakterisierung des Psychopathen Paul gelingt Deon Meyer überzeugend. So weist er unter anderem darauf hin, dass Untersuchungen zum Sprachgebrauch zutage gebracht haben, dass Psychopathen offenbar weit mehr als andere Menschen Interjektionen wie „ähm“ oder „äh“ benutzen, um zu kaschieren, dass sie nicht immer wissen, was sie sagen sollen. „Das liegt daran, dass sie angestrengt darüber nachdenken müssen, was normal klingt, damit sie ihre Störung verbergen können, so lautet die Theorie.“
 
  Auch praktizierende Alkoholiker müssen sich dauernd Mühe geben, ihr Sucht zu verstecken. Bennie Griessel bedient sich Fisherman's Friends, kauft Jack Daniels in Miniaturfläschchen, weil er die überallhin mitnehmen und entsorgen kann; und weil er so seinen Konsum besser glaubt steuern zu können.
 
  Wie alle guten Krimiautoren ist auch Deon Meyer ein Kenner der menschlichen Seele; er weiss, wie der Mensch tickt. „Man nahm die Informationen auf, sammelte alle Tatsachen, analysierte sie und speicherte das Ganze im Inneren ab, wo es sich absetzte und arbeitete. Und dann, manchmal abends, kurz vor dem Einschlafen oder frühmorgens, in der Dusche oder in der Müdigkeit eines Katers – zu irgendeinem Zeitpunkt, bei dem die Gedanken unkonzentriert umherwandern konnte – löste sich auf einmal der Knoten.“

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