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James Lee Burke
Mississippi Jam
Ein Dave-Robicheaux-Krimi

Pendragon
2016
Übersetzt von Jürgen Bürger
576 Seiten
ISBN-13: 978-3865325273
€ 17,99


Von Hans Durrer am 22.05.2016

  Der Geschäftsmann Hippo Bimstine will ein U-Boot der Nazis bergen, das während des Zweitten Weltkriegs vor der Küste Lousianas gesunken ist. Dave Robicheaux soll es für ihn lokalisieren. Dieser hat zwar wenig Lust, doch er braucht Geld für eine Kaution seines Freundes Batist, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Doch Bimstine ist nicht der einzige, der an diesem U-Boot Interesse hat, da ich auch noch Will Buchalter, ein übler Rassist und gefährlicher Psychopath.
 
  Dies der Rahmen, in dem James Lee Burke zu wahrer Hochform aufläuft. Er zeigt auf, wie korrupt es innerhalb des Polizeicorps zu und her geht. Da werden eigentlich in erster Linie Machtkämpfe ausgetragen und private Rechnungen beglichen. Und mittendrin ist Detective Dave Robicheaux von der Polizei von New Iberia, kein „Held“, höchstens in dem Sinne, dass er ein anständiger Mann ist, der sich bemüht, das Richtige zu tun. Und was dieses Richtige ist, weiss so recht eigentlich jeder, dem der gesunde Menschenverstand noch nicht abhanden gekommen ist.
 
  In „Mississippi Jam“ erfährt man unter anderem einiges darüber, wie Alkoholiker (Dave Robicheaux besucht Meetings der Anonymen Alkoholiker) und andere Dorgenabhängige ticken, wie unterschiedlich und gefährlich Pschopathen sein können, dass Rassismus viel verbreiterter ist, als man gemeinhin annimmt. Die Geschichte spielt hauptsächlich in New Orleans, einer von Musik und Korruption geprägten Stadt, was James Lee Burke sehr gekonnt zu vermitteln weiss.
 
  Noch gekonnter gelingt ihm die Schilderung der Beklemmung, der Paranoia, ja des Terrors, welcher der rücksichtslose und gewalttätige Will Buchalter auf Robicheauxs Familie auszuüben imstande ist. „Was trieb einen Mann wie Will Buchalter an? Der Schluss, zu dem ich gelangte, war kein angenehmer. Er war schlicht und einfach ein Sadist, und wie alle Sadisten entwickelte er Obsessionen bezogen auf die Menschen und Tiere, die er ganz methodisch plant zu verletzen. Der Schmerz, den er seinem Opfer zufügt, soll demütigen und herabsetzen und wird immer persönlich verabreicht, durch seine Hand, nur einen Atemzug entfernt vom Gesicht des Opfers. Wie bei allen von seiner Sorte hatte auch er eine Ideologie gefunden, die seine Pervertiertheit rechtfertigte, doch in Wirklichkeit liessen die Schreie, mit denen er einen Raum füllen konnte, seine Backenzähne leicht aufeinandermalmen, während es zwischen seinen Beinen summte wie ein Schwarm Bienen.“
 
  James Lee Burke ist ein Humanist, einer, der versteht und spürt, dass viele, auch sogenannte Verbrecher, am Leben leiden und manchmal fast verzweifeln. Doch er ist keiner, der für Sadisten und andere Perverse Verständnis hat, was ihn wohltuend von den professionellen Verstehern abhebt.
 
  „Mississippi Jam“ ist wie jeder wirklich gute Krimi nicht nur spannend zu lesen, sondern auch eine engagierte Auseinandersetzung mit der Brutalität der heutigen Welt, in welcher der sogenannte Rechtsstaat häufig selten mehr als eine Farce und ein Abzockersystem ist. „Meine fünfminütige Unterhaltung mit ihm war ein weiteres Lehrstück dafür, wie sich die Gesetze des Finanzwesens auch auf unser Rechtssytem anwenden lassen.“
 
  James Lee Burke liest man auch (zugegeben, ich rede von mir), weil man da immer wieder hilfreiche Lebensweisheiten vorgesetzt kriegt. „Ich erinnere mich an etwas, das mir mal ein Typ erzählt hat“, fuhr ich fort. „Er sagte, es sei genauso unehrenhaft, sich ausnutzen zu lassen, wie andere auszunutzen.“

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