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Frederick Forsyth
Outsider
(The Outsider)

C. Bertelsmann
2015
Übersetzt von Susanne Aeckerle
384 Seiten
ISBN-13: 978-3570102664
€ 19,99


Von Hans Durrer am 18.04.2016

  Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/Kent, landete mit seinem Debüt „Der Schakal“ einen der erfolgreichsten Thriller aller Zeiten. Beeindruckend war sein Leben jedoch bereits bevor er zum gefeierten Autor mutierte. Mit sechzehn sprach er bereits fliessend Französisch und Deutsch, mit siebzehn begann er seine Ausbildung zum RAF-Piloten, gefolgt von einer Karriere als Journalist, die beim „Eastern Daily Express“ in Norfolk seinen Anfang nahm.
 
  „Redakteure überregionaler Zeitungen, ganz zu schweigen von Agenturen, lernen ihre Leser nie kennen. Bei einer Regional- oder Lokalzeitung sind die Leser direkt draussen vor der Tür und kommen persönlich herein, um sich über Ungenauigkeiten zu beschweren. Daher müssen die Ansprüche hoch sein, und das sind sie. Ich kann mich an einen alten Zausel erinnern, der puterrot vor Wut in die Redaktion gestürmt kam, um sich darüber zu beschweren, dass in dem Artikel über die Ergebnisse der Ziervogel-Ausstellung in der Getreidebörse sein Kanarienvogel an falscher Stelle aufgeführt worden war. Er war wirklich ausser sich vor Wut.“
 
  Er landet bei der Nachrichtenagentur Reuters, wird deren Korrespondent, zuerst in Paris, dann in Ost-Berlin, wo er für die Berichterstattung aus dem Ost-Block zuständig ist und unter anderem amüsante Begegnungen mit dem Geheimdienst hat sowie, wie er schreibt, „beinahe den Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte“. An Minderwertigkeitsgefühlen leidet der Mann wahrlich nicht.
 
  Dann kommt er zur BBC und erlebt Ernüchterndes, denn „hauptsächlich ist die BBC ein gewaltiger bürokratischer Apparat mit den drei Nachteilen jeder Bürokratie: einer an Faulheit grenzenden Schwerfälligkeit, einer Besessenheit, Rang über Verdienste zu stellen, und der dazugehörigen Besessenheit von Konformismus.“ Bei einem Einsatz in Nigeria bestätigt sich auch für ihn das Diktum für Auslandskorrespondenten: „Hör nicht auf das, was die Botschaft sagt, sondern geh los und frag die alten Haudegen, die schon seit Jahren dort sind.“ Daran sollte man denken, wenn man das nächste Mal eine Meldung vom Auswärtigen Amt oder von einer Botschaft zu hören kriegt.
 
  Er kündigt, schlägt sich als freier Journalist in Nigeria durch, interviewt in Israel David Ben-Gurion sowie den damaligen Verkehrsminister Ezer Weizmann (letzteren bei dröhnenden Triebwerken durch Sauerstoffmasken) und landet schliesslich wieder in Nigerias Osten, damals auch bekannt als Biafra, von wo die übrige Welt im Jahre 1968 Bilder von hungernden Kindern (von denen etwa eine Million starben) zu sehen bekommt – damals ein Novum. Seine bewegende Schilderung wie er zwei kleinen Kindern nicht helfen konnte, gehört zum Stärksten in diesem fesselnden und informativen Buch.
 
  Zurück in London, ohne Geld und Anstellung, schreibt er in 35 Tagen seinen Bestseller „Der Schakal“. Und findet auf höchst ungewöhnliche Art und Weise, das ist typisch für ihn, einen Verleger. Der Rest ist Thriller-Geschichte.
 
  Frederick Forsyth ist ein temperamentvoller Mann mit klaren Werten, für den eine Lüge eine Lüge und keine Informationstaktik ist und der seine Abscheu vor eitlen ranghohen Bürokraten und feigen Politikern nicht zurückhält. Mit „Outsider“ ist ihm eine eindrückliche Autobiografie gelungen, die gleichzeitig allerbeste Aufklärung über Aspekte der Weltpolitik liefert, die nicht auf der Linie der offiziellen Versionen liegt. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

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