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Frank Göhre / Alf Mayer
Cops in the City
Ed McBain und das 87. Polizeirevier

CulturBooks
2016
292 Seiten
ISBN-13: 978-3959880176
€ 17,90


Von Hans Durrer am 13.04.2016

  Dem vorliegenden Band ist ein Vorwort von Thomas Wörtche beigegeben und so warte ich darauf, bis das Wort „ästhetisch“ auftaucht und dann stolpere ich auch schon drüber, im zweiten Absatz. Im Klappentext kommt er gerade noch einmal zu Wort: „Frank Göhres & Alf Mayers kaleidoskopische, pointillistische, assoziative, nicht strikt diskursive Methodik schlägt immer wieder helle Erkenntnisfunken aus ihrem Gegenstand.“ Was auch immer das heissen mag – für meinen Geschmack ist das etwas arg akademisch. Glücklicherweise ist das Buch ganz anders.
 
  Ich weiss, dass ich von Ed McBain einen Band besitze, finde ihn aber nicht mehr, und so gehe ich diesen Report ganz unbelastet (wenn man vom eher abschreckenden Vorwort absieht – Krimis zu akademisieren, bedeutet, ihnen den Todesstoss zu geben) an – und bin sofort davon angetan. Da wird mir erklärt, was ein Polizeiroman und wie McBain zum Schreiben gekommen ist, dass er unter verschiedenen Namen schrieb – als Hunt Collins über Science-Fiction, als Curt Cannon Kriminalromane, als Richard Marsten Jugendbücher und Krimis. Dass er eigentlich Salvatore Lombino hiess, störte ihn nicht, doch für Kriminalromane klang es nun einmal besser, wenn man einen amerikanischen Namen hatte und so änderte er seinen offiziell in Evan Hunter.
 
  Das Personal wird vorgestellt, das erfundene Polizeirevier ebenso und dass McBain beim Schreiben wie ein Cop vorgeht. „Ich betrete mit den Cops den Tatort. Und meine Arbeit beginnt. Schritt für Schritt. Kapitel für Kapitel. Ich arbeite gern auf diese Art. Sie gibt mir die Freiheit, die ich beim Schreiben brauche. Ausserdem erlebe ich auf diese Weise selbst noch einige Überraschungen.“
 
  Was tun, wenn Kulturen, Weltanschaungen und Machtansprüche miteinander kollidieren? Und das tun sie ständig – das sieht jeder, der nicht völlig besoffen oder mit verbundenen Augen durch die Gegend torkelt. Ed McBain lesen, Wegen Sätzen wie diesen: „Manchmal denke ich, dass alle ethnischen Vorurteile in der Luft verpfuffen würden, wenn jeder ein Instrument erlernen und in einer riesigen internationalen Band spielen würde. Ich bin nie auch nur einem einzigen Menschen begegnet, ob nun schwarz oder weiss, für den die Hautfarbe so etwas wie eine Hürde dargestellt hätte. Und das gilt sogar für Musiker, die aus Gegenden kommen, wo ihnen die Vorurteile von gut meinenden Eltern quasi mit in die Wiege gelegt werden, um sie auf die harten Überraschungen des Lebens vorzubereiten.“
 
  Als Evan Hunter arbeitete er auch als Drehbuchschreiber für Hitchcock. Ganz toll geschildert ist, wie diese Zusammenarbeit vonstatten ging. Dass Hitch schwierig und egozentrisch wusste ich, doch wie schwierig und egozentrisch er wirklich war, weiss ich erst jetzt.
 
  Kollegen wie die von mir geschätzten Max Allen Collins, Stephen King und Lawrence Block melden sich zu Wort. Sowie, für mich als Uneingeweihtem völlig überraschend, auch der Filmregisseur Akira Kurosawa, der McBains zehnten Roman vom 87. Polizeirevier verfilmte.
 
  Neben vielem anderen erfährt man wie McBain tickt, was er über das Krimi-Genre und die Sozialkritik denkt, dass er den Scharfschützen in die Literatur eingeführt hat und wie er Bert Kling abstürzen lässt.
 
  „Money, Money, Money“, der einundfünfzigste Polizeirevierroman erschien nur wenige Tage nach 9/11, spielt zu Teilen in Texas, nimmt unter anderem Bezug auf den Golfkrieg und enthält auch diesen Satz, der wohl besser als alle Analysen diesen Krieg charakterisiert. „Sie haben hunderttausend Iraker ermordet, um einen Cent auf einen Liter Benzin zu sparen.“
 
  Frank Göhre und Alf Mayer legen hier das Potpourri eines „no-nonsense“ Lebensgefühls vor, für das unter anderem Norman Mailer und Raymond Chandler stehen. Jetzt weiss ich, dass auch Ed McBain dazu gehört.
 
  „Cops in the City“ ist ein höchst gelungenes Buch; besser kann man auf Ed McBain und das 87. Polizeirevier kaum neugierig machen.

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