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James Douglas
Tote leben länger

LangenMüller
2016
336 Seiten
ISBN-13: 978-3784433981
€ 20,-


Von Hans Durrer am 06.03.2016

  Ob mich ein Buch anspricht, entscheidet sich meist nach ein paar Zeilen, manchmal auch nach ein paar Abschnitten, gelegentlich aber auch erst auf Seite 50. Bei „Tote leben länger“ war für mich nach dem ersten Abschnitt klar, dass ich dieses Buch mögen würde. Er lautet so:
 
  „Der Tag begann friedlich in Bern. Auf dem grossen Bundesplatz ging der Marktbetrieb langsam dem Ende entgegen. Die Bauern und Händler packten schon mal die übrig gebliebenen Waren zusammen: Frischgemüse, Käse und kamingeräucherte Würste. Aus dem Parlamentsgebäude strömten Abgeordnete, Bundesangestellte, Journalisten, um in den begehrten Gaststätten der Innenstadt den vermeintlich verdienten Lunch einzunehmen.“
 
  Die etwas selbstgefällige Berner Behäbigkeit ist fast mit Händen zu greifen, doch dann überstürzen sich die Dinge und die Illusion, dass die Schweiz von terroristischen Anschläge verschont bleiben würde, ist dahin. In der Südschweiz werden nachts zwei Grenzwächter erschossen, die Tochter eines einflussreichen Waffenhändlers, dessen Firma bei der Entwicklung von Roboter-Waffen führend ist, wird entführt, die Firma Cooper Partners aus Zürich (der Ex-FBI-Agent Ken Cooper ist James Douglas' Lesern bereits aus „Totale Kontrolle“ bekannt) wird eingeschaltet.
 
  In der Folge verschärft sich die Lage dramatisch: Geiseln werden genommen, Banken überfallen, zwei Männer mit Macheten zu Tode gehackt, in Mendrisio ereignet sich ein Grossbrand. Das US-Verteidigungsministerium berichtet gemäss CNN, „dass mit dem Mingrationsströmen als Flüchtlinge getarnte Terroristen nach Europa, vermutlich Norditalien, Deutschland, Frankreich, infiltriert werden.“
 
  Neben der spannungsreichen Aktion zeichnen sich James Douglas' Krimis dadurch aus, dass der Autor in Sachen Sicherheitsfragen bestens informiert ist und ganz generell überzeugend den Eindruck zu vermitteln versteht, dass da einer weiss, wovon er schreibt. Und überdies klare Meinungen hat. Genauer: seine Protagonisten mit klaren Meinungen ausstattet. „Cooper Partners hatte das Polizeikommando gewarnt, dass mit der Flüchtlingswelle, die an die Küsten Italiens schwappte, vermutlich gefährliche Killer in die Südschweiz eingeschleust würden. Er vermied dabei tunlichst den Begriff 'Kämpfer', der nach ihm für Soldaten, Sportler und Champions reserviert war, denn Mörder als Kämpfer zu adeln, widerstrebte ihm.“
 
  Das Szenario von „Tote leben länger“ ist durchaus realistisch, die Figuren komplexer gezeichnet als in „Totale Kontrolle“, doch wie bereits dort gibt es auch hier immer wieder (für mein Empfinden) einige wenig glückliche Rückblenden. Sehr gelungen fand ich hingegen die gut beobachteten Schilderungen gesellschaftlichen Verhaltens („Das war das Mühsame auf diesen Partys: bei einer Person steckenbleiben, mit der du nicht reden willst, während jemand, mit dem du sprechen möchtest, extrem verlockend in Sichtweite steht.“) wie auch des Autors Witz, der immer mal wieder aufscheint: „Welche Frau will schon einen Kerl, der aussieht wie eine Mischung aus Profi-Turner und Pornodarsteller.“
 
  „Tote leben länger“ spielt wesentlich im Tessin (den im Buch hauptsächlich verwendeten Begriff Südschweiz finde ich gewöhnungsbedürftig), was für mich, der ich dort gelebt habe, einen besonderen Reiz hat. Es ist nicht nur ein fesselnder Triller, sondern auch eine ernsthafte, von Realismus geprägte Auseinandersetzung mit dem terroristischen Islamismus, der von der die Welt regierenden Gier möglich gemacht wird. „Er dachte an den 'Islamischen Staat', der mit Öl und geraubten Kunstschätzen Milliarden gescheffelt hatte, bis heute. Praktisch unbehindert von der wesltichen Allianz und den schiitischen Kampfbrigaden, gelang es den salafistischen Extremisten, sich weiterhin mit diesen lukrativen Geschäften zu finanzieren.“ Und: „Es durfte einige geben, die im Knast zum Islam konvertiert waren und radikale Sympathien zu islamistischen Terrormilizen hatten. Gefängnisse waren nicht nur in der EU, sondern auch in der Schweiz Brutstätten für Islamisten geworden.“
 
  Ein höchst aktueller Page-Turner, voller 'action' und überraschender Wendungen, der überaus kenntnisreich über Terrorismus und Sicherheitsfragen aufklärt. Unter anderem auch darüber, dass Killer-Roboter für alle Interessierten schon bald Realität werden könnten, weil „die gewaltige kommerzielle Verbreitung der zugrunde liegenden Technologien in der ganzen Welt“ verbreitet wird.

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