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Ernst Lothar
Der Engel mit der Posaune
(The Angel with the Trumpet, 1944)

Zsolnay
2016
544 Seiten
ISBN-13: 978-3552057685
€ 26,-


Von Alfred Ohswald am 12.02.2016

  Im Haus Nr. 10 in der Seilergasse in Wien leben Ende des 19. Jahrhunderts die Nachfahren des Klavierbauers Christoph Alt, der etwas nach der Mitte des 18. Jahrhunderts dieses Haus erbauen ließ. Franz Alt. einer seiner Enkel, heiratet Henriette Stein, die aber ein heimliches Verhältnis mit Kronprinz Rudolf hatte. Als der sie wegen eines gemeinsamen Selbstmords anspricht, lehnt sie ab. Auf ihrer Hochzeitsreise in Venedig hört sie von dessen Selbstmord mit Mary Vetsera und bereut, dass sie sich nicht darauf eingelassen hat.
  Bei der Geburt ihres ersten Sohnes Hans stirbt sie beinah. Trotzdem lässt sie sich später auf ein Verhältnis mit einem Adligen ein und bekommt eine Tochter von ihm. Franz kann die zahlreichen Gerüchte irgendwann nicht mehr ignorieren und so kommt es zu einem Duell zwischen ihm und den Liebhaber seiner Frau.
 
  „Der Engel mit der Posaune“ erschien ursprünglich in englischer Fassung 1944 unter dem Titel „The Angel with the Trumpet“. Die Handlung setzt, abgesehen von der Vorgeschichte, etwa um 1880 ein und führt über zwei Generationen bis zum Einmarsch Hitlers in Österreich.
  Es ist ein Familienroman, der sich an der Geschichte Österreichs während dieser Jahrzehnte entlanghangelt. Das Leben dreier Figuren steht, mit kurzen, wenigen Ausnahmen, im Zentrum. Franz und seine Frau Henriette und ihr Sohn Hans. Wobei die drei Charaktere durchaus ein Entwicklung durchmachen, insbesondere die Anfangs doch recht egozentrische Henriette wandelt sich gegen Ende ihres Lebens deutlich.
  Es ist auch ein historischer Roman und besonders gegen das Ende zu eine deutliche Liebeserklärung des vor den Nazis emigrierten Ernst Lothar an Österreich. Hier wird dann auch etwas zu ausgiebig über österreich philosophiert. Lothar gehört zu den wichtigen Figuren der Kultur in der österreichischen Zwischenkriegszeit und zu den zahlreichen Juden, die diese Epoche so stark prägten und mehr als die meisten „echten“ Österreicher an diese nach dem 1. Weltkrieg so radikal geschrumpften Nation glaubten.
  Das bei dieser Art von Romanen gerne vorkommende Begegnen historischer Figuren gibt es auch hier, allerdings keineswegs aufdringlich. So begegnet Hans bei einem Versuch, in die Kunsthochschule aufgenommen zu werden, den ebenfalls scheiternden Hitler.
  1948 wurde der Roman von Karl Hartl mit einem beeindruckenden Starensemble (Paula Wessely, Attila und Paul Hörbiger, Oskar Werner, Hans holt, Maria Schell, Erna Mangold, Curd Jürgens, Karlheinz Böhm, Peter Alexander, Fritz Eckhard usw.) verfilmt.

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