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Penelope Lively
Wenn eins zum andern kommt
(How it all began)

C. Bertelsmann
2015
Übersetzt von Maria Andreas
288 Seiten
ISBN-13: 978-3570101575
€ 17,99


Von Hans Durrer am 04.02.2015

  Diesem cleveren, witzigen, intelligenten und höchst unterhaltsamen Buch ist ein Zitat aus James Gleicks „Chaos – die Ordnung des Universums“ über den Schmetterlingseffekt vorangestellt, gemäss dem schon kleinere Wetterphänomene jede Vorhersage rasch in sich zusammenfallen lassen können. Und genau davon handelt „Wenn eins zum andern kommt“.
 
  Die Lehrerin Charlotte wird auf der Strasse überfallen, sie stürzt, bricht sich die Hüfte, ihre Handtasche ist weg. Ein Alltagsvorfall mit Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Menschen. Auf Charlottes Tochter Rose, deren Arbeitgeber Lord Henry Peters, dessen Nichte, die Innenarchitektin Marion, die nun anstelle von Rose Lord Henry nach Manchester begleitet, wo sie die Bekanntschaft von George Harrington macht, der in London Wohnungen kauft und vermietet, sich dann jedoch als Hochstapler entpuppt. Marions Affaire mit dem verheirateten Jeremy fliegt auf, Rose verliebt sich in Anton, den polnischen Bauarbeiter ...
 
  „Wenn eins zum andern kommt“ ist ein überaus treffender deutscher Titel (im Englischen: „How it all began“) und so recht eigentlich charakterisiert er geradezu die Thematik von Penelope Livelys Schreiben, das immerzu (jedenfalls in den Büchern, die ich von ihr gelesen habe) um das absolut Zufällige unseres Daseins kreist: Was nur schon ein kleiner Misstritt oder eine geringe Verspätung für weitreichende Folgen haben kann – möglicherweise hätte man deswegen seine grosse Liebe/Enttäuschung nie kennengelernt ...
 
  Kann man also sein Leben gar nicht planen? Oder sollte man ganz einfach viel überlegter, genauer, ja wacher planen?
  „Jeremy hatte nie an Lebensplanung geglaubt. Nur kleinkarierte Krämerseelen planen und teilen alles ein, Leute, die auf Jobs abfahren, bei denen man ihnen im Vorstellungsgespräch die Frage stellt: 'Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?' Natürlich sehen sie sich ein paar Stufen höher auf der Leiter, die selbstgefälligen Spiesser. Wie öde! Viel spannender, man nimmt es mit dem auf, was kommt, macht daraus, was man kann, und erlaubt sich dann mal einen vielversprechenden Schritt weg vom Trampelpfad.“
 
  Wer das nun als simple Handlungsanweisung liest, liegt falsch, denn im Verlaufe der Geschichte zeigt es sich, dass Jeremy beileibe nicht alles, was ihm zustösst spannend findet, geschweige denn, ihm zusagt.
 
  Penelope Lively zu lesen, bedeutet auch immer, auf höchst Lehrreiches zu treffen. Etwa auf diesen Hinweis in Sachen Geschichtenerzählen und Motivation, als der Englisch lernende Anton zu Charlotte bemerkt:
 „Die Geschichte geht immer vorwärts – das eine passiert, und dann das andere. So etwas wollen wir. Wir wollen wissen, wie es passiert, was passiert als Nächstes. Wie wird aus einer Sache die nächste.“
 „Genau“, sagte Charlotte. „Das ist Erzählen. Alles ist nur Fiktion – aber wenn das Erzälen gelingt, eine kluge, raffinierte Fiktion.“
 
  Genau wie „Wenn eins zum andern kommt“.

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