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Bob Kane et al
Joker Anthologie
Die größten Schurkenstücke des Verbrecherclowns

Panini
2015
372 Seiten
ISBN-13: 978-3957983534
€ 29,99


Von Alemanno Partenopeo am 21.11.2015

  Ob große Helden nicht auch große Monster erschaffen? Batman wird oft von dieser quälende Frage heimgesucht, ob nicht er selbst für sein Pendant verantwortlich ist, ob nicht er selbst den Joker erschaffen hat? Aber auch Superman musst man diese Frage stellen. Oder Sherlock Holmes oder sogar James Bond. Alle diese Superhelden haben ihr Entsprechung in einem ebenso großen Antihelden: Lex Luthor, Professor Moriarity, Ernst StavroBlofeld. Der Joker jedenfalls ist das genau Gegenteil des dunklen Ritters: während er sich in elegantes Schwarz kleidet, beleidigt die grelle Buntheit der Kleidung des Jokers das Auge des Betrachters. Selbst seine Haar sind farbenfroh und erinnern an die Punks der 80er, dabei gibt es den Joker schon seit den 1940er Jahren. Zeit also, seine bösen Streiche Revue passieren zu lassen und in einer Anthologie die ganze Bandbreite seiner Verbrechen zu zeigen.
  Der „Clownprinz des Verbrechens“ verbreitet schon in der ersten Geschichte der vorliegenden Sammlung Angst und Schrecken und ganz anders als man es von einem Gangster eigentlich erwarten würde, schlägt er stets pünktlich auf die Minute zu. Seine Verbrechen werden nämlich von ihm selbst höchstpersönlich im Fernsehen vorangekündigt. Zur Blamage der Polizei und James Gordons gelingt es dennoch nicht, die Morde an führenden Stützen der Gesellschaft zu verhindern und so erscheint bald das Batsignal am Himmel. Denn eigentlich weiß nur Batman die kryptischen Hinweise des Meisterverbrechers zu interpretieren. Er kennt seinen Widersacher so wie kein anderer ihn kennt und so wird in der usrprünglich in Batman 1, Frühjahr 1940 (!) erschienenen Geschichte „Batman vs. Joker. Der Joker kehrt zurück“ von Bill Finger und den Zeichnungen von Bob Kane & Jerry Robinson dem lachenden Monster denn doch noch das Handwerk gelegt.
  In der Geschichte „Der Mann, der lachte“ verwenden die beiden Atuoren Ed Brubaker und Doug Mahnke Motive eines gleichnamigen Stummfilms aus dem Jahre 1928, wie die Herausgeber der Anthologie in ihrem Vorwort – wovon sich eines am Anfang jeder Episode dieser Anthologie befindet – wissen. Davor hatte sogar schon Victor Hugo sich an diesem Motiv in seinem Roman „Der lachende Mann“ versucht. Die Story aus dem Jahr 2005 greift aber auch auf die oben schon erwähnte Geschichte zurück, denn auch hier kündigt der Joker seine Verbrechen vorher an, wenn er auch dieses Mal weit weniger pünktlich ist. Die beiden Geschichten machen deutlich, wie viel sich in der GraphicNovel in den letzten 75 Jahren entwickelt hat und wie feinfühlig heutige Comiczeichner vorgehen, denn die Geschichte von 2005 wird sehr empathisch von James Gordon erzählt, die Zeichnungen sind viel düsterer, es regnet die ganze Zeit und Gotham City droht dem Untergang geweiht zu sein.
  Ein weiteres Meistwerk in dieser Sammlung ist sicherlich „Time to MonkeyShine“ (deutsch: Gib dem Affen Zucker). Auch wenn die Story an und für sich nicht so gut recherchiert ist, begeistern die holzschnittartigen Erinnerungsstücke aus Jokers Kindheit, die aus dem Soziopathen ein bemitleidenswertes Kind machen, das von seiner Mutter gequält wurde. Andy Clarke (Zeichner) und Andy Kubert nähern sich also einer soziologischen Interpretation des Ganoven mit dem Grinser an, die nicht unbedingt Mitleid zur Folge hat. Am besten Sie lesen es selbst, wie aus dem kleinen Bubi der grausamste Verbrecher und größte Widersacher Batmans wurde.

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