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Brooke Davis
Noch so eine Tatsache über die Welt
(Lost and Found)

Verlag Antje Kunstmann
2015
Übersetzt von Ulrike Becker
280 Seiten
ISBN-13: 978-3956140532
€ 19,95


Von Hans Durrer am 30.10.2015

  Die Australierin Brooke Davis hat mit „Noch so eine Tatsache über die Welt“, ihrem 2014 erschienen Erstlingsroman, einen internationalen Bestseller gelandet.
 
  Die Frage, die dieses Buch stellt, ist: „Wie lebt man mit dem Wissen, dass jeder, den man liebt, jederzeit sterben kann?“ Als ihre Mutter bei einem Unfall ums Leben kam, hat Brooke Davis lange und gründlich darüber nachgedacht. Und ist zum Schluss gekommen, dass das jeder selbst herausfinden muss ...
 
  Die Geschichte, die sie sich entschieden hat, uns zu erzählen, handelt von der siebenjährigen Millie, einem kleinen Energiebolzen voller Hoffnung. Von Karl, der im Alter von siebenundachtzig von seinem Sohn ins Altersheim gebracht wird, von wo er aber kurz entschlossen wieder abhaut, ins Kaufhaus, wo er auf Millie trifft, deren Mutter sie dort zurückgelassen hat. Und von der mürrischen und verlorenen Agatha Pantha, zweiundachtzig, die seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr aus dem Haus gegangen ist, bis …
 
  Mir ist die Handlung dieser Geschichte zwar viel zu fantastisch und unrealistisch, doch wimmelt es geradezu von höchst gelungenen Szenen und Sätzen, die ich wunderbar berührend, clever, witzig und anregend gefunden habe. Hier zwei Beispiele:
 
  „Sein Mund verzieht sich zu dem Strich, der bei Erwachsenen bedeutet, dass sie im Moment auf keinen Fall weiter über das angesprochene Thema reden werden, vielleicht sogar nie. Also bewahrt Millie ihre Fragen in ihrem Inneren auf und schiebt sie an den Ort, der sich Sachen für später merkt.“
 
  „Er liebte es, seinen Fingern dabei zuzuschauen, wie sie über die Taschen huschten. Er erkannte, dass er womöglich schön war, weil er etwas schuf. Es war keine Musik, die in Konzertsälen gespielt wurde, und keine Kunst, die man an die Wand hängte, aber für Karl war es beides, und noch viel mehr.“
 
  Mir das Liebste an diesem sehr speziellen Buch ist die Liebesgeschichte von Karl und Evie, die sich im Schreibmaschinenkurs kennengelernt hatten. „Sie führten ein gänzlich unbedeutendes Leben. Bäume, Blumen, Meer und Nachbarn. Sie erklommen keine Berge, bezwangen keine Stromschnellen, traten nicht im Fernsehen auf. Sie assen keine exotischen Tiere in asiatischen Ländern. Sie gingen nicht in den Hungerstreik und steckten sich nicht für einen guten Zweck in Brand … Aber sie hatten die Liebe erlebt. Sie zogen Pflanzen, tranken Tee im Nachmittagslicht, winkten den Nachbarn zu. Jeden Abend ...“.
 
  Als Evie krank wurde, arbeitete sie manchmal nachmittags im Kaufhaus und fragte eines Abends Karl, ob er schon einmal geträumt habe, im Kaufhaus eingeschlossen zu sein. Natürlich, sagte Karl. „Wir sollten das mal machen, sagte sie. Wir könnten uns abends in den Umkleidekabinen für Männer verstecken, wenn abgeschlossen wird. Dort schaut niemand nach.“ Nur eben, und so ist das ja meist mit den Träumen: „Aber sie setzen nichts davon je in die Tat um, denn sie redeten viel, taten aber wenig und fanden das beide vollkommen in Ordnung.“
 
  „Noch so eine Tatsache über die Welt“ ist amüsant, traurig und inspirierend.

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