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Jean-Yves Ferri / Didier Conrad
Der Papyrus des Cäsar
Asterix 36
(Le Papyrus de César)

Egmont Comic Collection
2015
Übersetzt von Klaus Jöken
48 Seiten
ISBN-13: 978-3770438907
€ 12,-


Von Andres Rüdig am 28.10.2015

  Mit seinem Buch "De bello gallico" ist Gajus Julius Cäsar auch heute noch weltberühmt. Leider ist darin das Kapitel über das Dorf der unbeugsamen Gallier um Asterix & Obelix nicht enthalten. Ein findiger Journalist möchte dies einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen...
  
  Dies ist Band 36 aus der Asterix&Obelix-Comic-Reihe. Nach einigen Jahren des inhaltlichen Stillstandes liegt hier ein herzerfrischend gutes Buch vor. Die Zeichnungen liegen auf dem gewohnten Niveau, das wir aus den bisherigen Heften kennen. Das Heft überzeugt durch seinen Sprachwitz, der auch ältere Leser zum Lachen bringt. Inhaltlich ist die Handlung behutsam modernisiert und in die Gegenwart übertragen. Moderne Technik wie die elektronische Nachrichtenübermittlung wird in die Zeit der Römer, Griechen und Gallier übertragen und mit viel Spaß versehen. Auch die Frage, wie in unseren heutigen Tagen mit Literatur umgegangen wird, spielt eine Rolle. In dieser Hinsicht geht es hinter der unterhaltsamen Fassade also auch um ein ernsthaftes Thema.
  
  Für denjenigen Leser, der viele Ausgaben aus der Asterix&Obelix-Reihe kennt, ist aber nicht nur der Quantensprung in der Qualität (Hefte wie "Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank gefallen ist", "Asterix plaudert aus der Schule" oder "Asterix & Obelix feiern Geburtstag" wirken ein wenig wie geldschneiderisches Füllmaterial) zu sehen; er kann sich auch die Frage stellen, ob hier ein Wandel hinsichtlich der Zielgruppe festzustellen ist. Asterix & Obelix gibt es schon seit 1959 auf dem Markt; sollen jetzt diejenigen Leser zurückgewonnen werden, die mit ihnen groß geworden sind?

Von Alemanno Partenopeo am 07.11.2015

  Die von R. Gosinny und A. Uderzo erfundene Comic-Reihe hat endlich zwei würdige Nachfolger in Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) gefunden. Die liebevoll erzählten Geschichten für Junge und Junggebliebene widmet sich dieses Mal der Macht des geschriebenen Wortes, das ja tatsächlich Berge versetzen kann, wenn es mittels passender Technologien auch entsprechende Verbreitung findet. 50 vor Christus, das Jahr in dem die meisten Asterix-Episoden spielen, gab es allerdings weder Druckerpresse noch Twitter und deswegen werden in Asterix: Der Papyrus des Cäsar hauptsächlich Brieftauben verwendet, um die „News“ zu verbreiten. Ein witziger Einfall der beiden neuen Storyteller und auch eine Möglichkeit für das Römische Imperium und für die Gallier, sich lästige Telefonate zu sparen. Beim Teutates! Das gab es natürlich auch noch nicht, dafür aber Troubadix, Miracoulix und Majestix, der unter der Knute seiner Frau stehende Häuptling des widerständigen Dorfes in Armoricae/Gallien.
  „De bello gallico“, das Werk von Julius Cäsar soll ohne das leidige Kapitel mit den widerständigen Galliern erscheinen und so der Eindruck erweckt werden, als ob wirklich ganz Gallien von Cäsars Truppen erobert worden sei. Aber Cäsar wäre so eine Geschichtslüge nie eingefallen, sondern seinem Berater und PR Manager Syndicus. Die numidischen Schreiber lassen die fragliche Papierrolle mit dem brisanten Inhalt vor der Beschlagnahmung verschwinden und so gerät sie in den gallischen Untergrund, was auch die beiden Soldaten namens „Antivirus“ und „Datenflus“ nicht verhindern können. Der gallische Politaktivist Polemix versteckt sich mitsamt der Rolle im gallischen Dorf in Armoricae und selbst Miracoulix, der weise Druide, wundert sich über dessen Bericht: „Ja, viele Leute neigen dazu, zu glauben, was geschrieben steht. Ein seltsames Phänomen.“
  „Dat veniam corvis, vexat censura columbas“ (Den Raben verzeiht, die Tauben plagt die Kritik), weiß der alte Pirat, der sich damit über die Informationspiraterie seiner Zeit beschwert, den römische Tauben fliegen ihnen durch die Segel, wie heute die Daten durch das Internet schießen. Miracoulix macht sich schließlich auf die Reise zu seinem alten Druidenlehrer Archaeopterix in den Karnutenwald und auch wenn dieser schon etwas von der Alzheimer geplagt wird, hat er doch für jedes Pläsierchen das richtige Wässerchen. „Wir haben den Anhang vergessen“, jammert ein Römer nach Absenden einer Brieftaube, aber der Aufmarsch Cäsars und seiner Truppen vor dem gallischen Dorf findet dennoch statt. Cäsar will natürlich das fragliche Schriftstück und bietet es zum Austausch gegen den wiederum gefangenen Polemix an. Jetzt platzt auch Obelix der Kragen, der sich aufgrund einer astrologischen Prophezeiung wieder einmal auf Diät befindet und leicht reizbar ist. Ein herrliches Abenteuer, das wieder an die alten Erfolge von R. Gosinny und A. Uderzo anschließt.

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