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Nekropolis
(Necropolis)

Unionsverlag
2015
Übersetzt von Lutz Kliche
256 Seiten
ISBN-13: 978-3293004955
€ 19,95


Von Hans Durrer am 18.10.2015

  Dass es sich bei diesem Buch um einen Kriminalroman handeln soll, hat mich etwas erstaunt. Sicher, da kommt ein Kommissar und sein Team vor. Und ja, da werden ganz unterschiedliche Kriminalfälle gelöst. Den Auftakt bildet ein höchst eigenartiges Vorkommnis: ein Fingersammler ist in der Stadt unterwegs; kleine Finger, Ring- und Zeigefinger schneidet er seinen Opfern ab. Eine vielversprechende Ausgangslage, doch leider ist dann von Krimi-Spannung nicht viel zu spüren. Das meint keineswegs, dass das ein langweiliges Buch ist, es meint, dass es kein Page Turner ist, obwohl immer mal wieder spannende Szenen vorkommen.
 
  Anregend und lesenswert ist „Nekropolis“ jedoch allemal. Weil der Autor einen in ein Delhi mitnimmt, das den meisten Besuchern der Stadt wohl verborgen bleiben wird. Mir jedenfalls haben sich viele unbekannte Welten eröffnet, obwohl ich doch bei meinem Besuch vor Ort von einem kundigen Führer (einem Studienkollegen, wohnhaft in Gurgaon) geleitet wurde.
 
  Doch nicht nur Delhi und seine nähere Umgebung werden einem näher gebracht – „Ein kleines Dorf im Süden, zwischen den kahlen Hügeln an der alten Strasse nach Alwar. Eine uralte Siedlung, bettelarme Menschen, Wasser nur dann, wenn Regen fiel. 'Eine völlige andere Welt', sagte Kapoor düster. 'Und dabei liegt es nur eine Stunde von Gurgaon entfernt'.“ – , sondern auch der indische Alltag. Als ein Afrikaner von der Polizei vernommen wird, meint er: „'Wir sind nicht alle Dealer … So kommt man ja nicht auf die Welt. Ich habe hier viele Freunde gewonnen. Auch wenn die meisten Inder bis ins Mark Rassisten sind.' Smita stieg das Blut ins Gesicht, was in der Dunkelheit zum Glück nicht zu sehen war. Der Kommissar blieb stumm, nur Kapoor lachte. Keiner der drei zog die Worte des Afrikaners in Zweifel.“
 
  Man erfährt viel Interessantes über die indische Geschichte und über Delhis Klima (zwischen kochend heiss und eiskalt), wird aufgeklärt über das alltägliche Spiessrutenlaufen der indischen Frauen („ … die Kunst der Frauen in Delhi … immer nur auf die Füsse zu schauen, um die gierigen Augen der Männer nicht wahrzunehmen“) und kriegt einen Einblick in Delhis Gesellschaftsspiele, die auch nicht so sehr anders sind als anderswo („Ein Ring am Finger einer Frau, die man nicht mag, wird als unecht abgetan.“).
 
  „Nekropolis“ ist voll anregendem Lokalkolorit, spielt in unterschiedlichen sozialen Schichten und schildert Indien mit einem sozialkritischen Blick. Der Autor verbindet dabei so Verschiedenes wie Vampire und Werwölfe, die Entführung eines Schuljungen, den Tod eines Drogendealers sowie die geheimnisvolle Razia, die an ganz unvermuteten Orten auftaucht und beste Verbindungen überallhin zu haben scheint.
 
  Ansprechend ist übrigens auch die gelungene Titelbildgestaltung: sie macht neugierig.

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