Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
James Lee Burke
Glut und Asche
(Feast Day of Fools)

Heyne
2015
Übersetzt von Daniel Müller
704 Seiten
ISBN-13: 978-3453676800
€ 17,99


Von Harns Durrer am 19.10.2015

  „Glut und Asche“ ist die Fortsetzung von „Regengötter“, der 2015 mit dem deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde.
 
  Danny Boy Lorca wird in der Wüste nahe der texanischen-mexikanischen Grenze Zeuge eines brutalen Mordes. Sheriff Holland und sein Deputy Pam Tibbs gehen der Sache nach. In der Folge kommt eine Geschichte mit ganz vielen Facetten ins Rollen, in der unter anderem durchgeknallte Priester, tolpatschige Bundesbeamte, russische Killer, mexikanische Drogenbanden sowie eine mysteriöse Chinesin, die illegalen Einwanderern hilft, vorkommen. Es ist eine sehr gewalttätige Welt, die hier geschildert wird.
 
  „Glut und Asche“ ist spannend erzählt, ein guter und überzeugender Thriller, der wie immer bei James Lee Burke weit über das Thriller-Genre hinausgeht. Das liegt an der Menschenkenntnis und reflektierten Lebenserfahrung des Autors, die sich vor allem in der Charakterisierung von Sheriff Holland zeigt.
 
  Dieser „hatte ein Alter erreicht, in dem er weder über die Glaubwürdigkeit der Visionen von Verrückten noch über die Schwächen des menschlichen Verhaltens grübelte. Was Hackberry Holland hingegen Sorgen bereitete, war die Neigung seiner Mitmenschen, sich zusammenzuschliessen und im Gleichschritt für Gott und Vaterland zu marschieren. Menschen rotteten sich nicht zu Mobs zusammen und zogen durch die Strassen, um Gutes zu tun und seiner Ansicht nach gab es für ein soziales oder politisches Anliegen keinen verachtenswerteren Makel als allgemeine Zustimmung. Seiner Ansicht nach stellten Danny Boy Lorcas Schübe alkoholbedingten Wahnsinns in gewisser Weise eine Verschnaufspause von weitaus schlimmeren Formen des Irrsinns dar.“
 
  James Lee Burke vermittelt Einsichten ins Leben, die die Menschen und ihre Welt weit besser erklären, als es noch so gescheite Analysen vermögen. „Hackberry war mit den Jahren zur Ansicht gelangt, dass die Welt nun einmal war, wie sie war, und sich nicht änderte, nur weil der Betrachter älter wurde. Die historische Epoche spielte keine Rolle. Es waren immer die gleichen Akteure, die den Ton angaben. Diejenigen, die den Planeten am schamlosesten plünderten, die uns in einen Krieg nach dem andern führten und vorgefertigte Rechtfertigungen aus dem Ärmel zauberten, wenn wir uns gezwungen glaubten, ohne Skrupel und Moral gegen unsere Mitmenschen vorzugehen, waren immer auch diejenigen, denen wir am eifrigsten folgten.“
 
  Das klingt ziemlich illusionslos, ist aber in erster Linie realistisch. Und erhellend. Genauso realistisch ist übrigens, dass Psychopathen gescheite Sachen sagen. „Wie konnte es angehen, dass die Regierung gegen Flüchtlinge aus dem Süden, meist arme Arbeiter und Bauern, mobil machte und gleichzeitig Führerscheine an Typen wie diese verteilte und ihnen erlaubte, öffentliches Land mit ihren Motorrädern zu zerstören?“
 
  Lese ich James Lee Burke, so kann ich mir gewiss sein, dass mir Sätze hängenbleiben und mich fortan begleiten. Nicht etwa, weil sie neue Erkenntnisse vermitteln, sondern weil sie das gelebte Leben aus ihnen spricht. Das ist auch bei „Glut und Asche“ so. Hier sind zwei solche Sätze: „Er kratzte sich beiläufig mit drei Fingern an der Wange und fragte sich, warum die Menschheit die Geheimnisse des Himmels zu entschlüsseln versuchte, wenn sie noch nicht mal die Mysterien ergründet hatte, die in ihren Herzen schlummerten.“ „Die Welt war ein grossartiger Ort, ein prachtvolles Meisterwerk, dachte er.“
 
  Der amerikanische Westen sei für ihn eine grosse Freiluftkathedrale, schreibt James Lee Burke in seinem Nachwort. „Glut und Asche“ legt davon eindrücklich Zeugnis ab.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.