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Valerie Fritsch
Winters Garten

Suhrkamp
2015
154 Seiten
ISBN-13: 978-3518424711
€ 16,95


Von Rudolf Kraus am 15.10.2015

  „Winters Garten“ nennt sich eine idyllische Kolonie außerhalb der Stadt, wo Obst, Gemüse, Bäume, Blumen, Tiere und Menschen prächtig gedeihen und wachsen und die Menschen ganz offensichtlich zufrieden wenn nicht glücklich sind. Der Ort vereint vieles, er ist Sehnsucht, Glück, Geborgenheit und Lebenserfahrung zugleich. Hier lebten und starben die Großmutter und der Großvater, die engsten Bezugspersonen Antons, denn Mutter und Vater waren nie so nahe.
  Anton Winter, Vogelzüchter und Sohn des Geigenbauers in Winters Garten, verlässt den Garten und zieht in die Stadt, um dort als Vogelzüchter zu leben.
  Die Stadt, die am Meer liegt und wie jede Stadt ein Vielfaches an Infrastruktur und Verführung zu bieten hat, ist aber ein apokalyptischer Ort, der zusehends verfällt und dem Untergang geweiht ist.
  Der Eigenbrötler Anton lernt in der Stadt eine Frau namens Frederike kennen und verliebt sich in sie.
  Frederike hilft in einem Spital aus, das sich zu einer Gebärklinik gewandelt hat. Die Geburt eines Kindes führt Anton mit seinem Bruder Leander zusammen, der der Vater des Kindes ist. Gemeinsam brechen sie nach Winters Garten auf, das sie zwar verlassen, aber doch bewohnbar vorfinden und sich dort niederlassen.
  Doch wird immer klarer, immer deutlicher, dass es keinen sicheren Ort mehr gibt, keine Bleibe, wo Sicherheit, Geborgenheit herrscht.
  Valerie Fritsch erzählt in einer ausgeprägt zarten aber einfach wirkenden Sprache eindringlich und präzise von Stille, von Leben, Liebe und Verlust, von archaischen Strukturen und menschlichen Schwächen, von der Gewalt der Natur und der Beschränktheit menschlicher Errungenschaften.
 Der Garten, einst das kindliche Paradies (und auch in den Weltreligionen der Ort des Paradieses), verspricht längst nicht mehr die Sicherheit, die Erlösung.
  Valerie Fritsch schafft eine Stimmung voller Sinne und schöpft daraus Betörung, Energie und Lust. Ein literarischer Wirbelwind, nahezu ein ästhetischer Hurrikan, der durch die Seiten fegt und die Literaturlandschaft kräftig durcheinanderwirbelt.

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