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Valerie und Gudrun Fritsch
kinder der unschärferelation

Leykam
2015
88 Seiten
ISBN-13: 978-3701179619
€ 14,90


Von Rudolf Kraus am 15.10.2015

  Tochter und Mutter, Valerie und Gudrun Fritsch haben einen gemeinsamen Gedichtband geschrieben, der in einer Art lyrischem Zwiegespräch ihre Sprache, sozusagen die Muttersprache entspinnt. Die Tochter Valerie Fritsch gibt ein Gedicht vor und die Mutter Gudrun Fritsch antwortet mit einem Gedicht darauf. So entspinnen sich Themen wie Metamorphose, Außerirdische, Abschied und fremde Welten genauso wie sehr persönliche Motive aus der Familie, der Liebe und dem Leben.
  In „III.“ dichtet Valerie Fritsch: „weil wir zu staub zerfallen sind / glauben wir an phönixe + entropie / weil wir aufeinander gewachsen sind / beten wir für eine metamorphose / + einen kokon für dich + mich in der nacht“, worauf Gudrun Fritsch in „metamorphose“ antwortet: „wünschte / könnte zerlösen meinen stoff / wünschte / könnte passen unter fremde haut / wünschte / könnte schmelzen in die dehnung / wünschte / könnte mich erlösen (S.16/17). „Welch eine Mutter-Tochter-Beziehung?“ kommt einem da in den Sinn, ohne sie beurteilen zu können, natürlich nicht, aber hier spürt man aus den Worten, den Versen eine sehr starke Beziehung und ein unglaublich ausgeprägtes Sprachgefühl, das Valerie Fritsch ja auch schon in ihren bisherigen Prosaarbeiten ausgezeichnet hat.
  In „XV.“ heißt es da charmant und unverblümt: „abends seh ich im fernrohr / die außerirdischen durch den weltraum wandern / mit ihren strohhüten + schmutzigen händen / + samen voll dinosauriern + menschen / bis die planeten + monde / gärten sind im all“, während die Mutter in „SCHNITTstelle“ ein „schiefes grinsen bricht den kreis“ einwirft, etwas trauriger und bedächtiger formuliert: „entgrenzt geglaubte grenzen / markieren sich als mauerwall / sonderbar schmerzlich / vermerkt das illusionsgetrübte auge“ (S. 42/43).
  Ein sprachgewandtes und fabelhaftes Familienprojekt von Tochter und Mutter, das sehr viel zu bieten hat. Entdeckungen, Gedankenfolgen, Gefühlswerten, Empfindungen, Phantasien und Wirklichkeiten.
 „hier wachsen den seemannsli(e)dern wimpern / + den gierigen herzen / falten / + salzkrusten vom meer“ schreibt Valerie Fritsch in „XX.“ (S. 52). Mehr braucht es nicht, das ist alles zu spüren, das ist einfach Poesie pur.

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