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Gerhard Haderer
Think positiv
Die besten Cartoons

Ueberreuter
1996
DM 26,80 öS 196,- sFr 25,-


Von Alfred Ohswald am 21.09.2000

  Diese Sammlung des österreichischen Karikaturisten ist fast eine Art Werkschau des Künstlers seiner Arbeit bis zum Jahr 1996. Haderer arbeitet in erster Linie mit Pinsel und der Airbrush-Technik, benutzt aber auch oft andere Mittel zur Unterstützung um sein Ziel zu erreichen. So entstehen, für Cartoons ungewöhnlich aufwendige und detaillierte Bilder. Aber das typische Qualitätsmerkmal ist der zornige Blick für Heuchelei und himmelschreiende Ungerechtigkeiten und ein oft ungewöhnlicher, augenöffnender Blickwinkel auf unsere Gesellschaft. Haderer ist sowohl vom Malstil als auch von der Art seines zornigen Humors unverkennbar. Zumindest so lange man sich nicht selbst wiedererkennt, was mit großer Wahrscheinlichkeit öfters der Fall sein wird, kann man ungehemmt zustimmend schmunzeln und auch lachen.
 
  Im ersten Teil widmet er sich unter dem Titel "Freizeitvergnügen" allen Aspekten dieser beliebten, aber oft verbissen hartnäckig nachgekommenen Tätigkeit der Menschen besonders in unseren Breitengraden. Darunter finden sich Karikaturen wie der stolz im Bildvordergrund stehende "Ulrich" mit seiner passend zur Einrichtung gekleideten, asiatischen Frau, der Griller, dessen nackter Rücken schon knuspriger als das Hendl ist, ein Suchbildrätsel für Jäger, Pisswettbewerbe anlässlich der Dopingprobleme bei Olympia, zahlreiche Variationen zum Fitnesswahn und die Fernsehkonsumenten, die Bio-Welle und noch zahlreiche weitere Vergnügungen, die wir Menschen uns mit Überzeugung und Begeisterung widmen. Details wie "Zwetschkenklöße in Powideltunke" als Menü in einem auf Deutsche wartenden Tourismusbetrieb, an Lauda erinnernde rote Schirmkappen bei ihren Liebling waschenden Autofahrern oder die Schlagzeile "Bevölkerung atmet auf: Mordschwestern gevierteilt!" auf der Kronenzeitung (Boulevardzeitung ähnlich der deutschen Bild) einer Beifahrerin eines im Stau steckenden Autos bilden die abrundende, für Haderer typische Würze der Cartoons.
  Im nächsten Teil geht's unter dem Titel "Gott, der Gerechte" um Religion. Dabei geht's hauptsächlich um das Christentum und die katholische Kirche, und hier mit besonderer Vorliebe der streitbare österreichische Bischof Kren. Hier hat sich Haderer auch schon Schwierigkeiten und Anzeigen wegen Herabwürdigung religiöser Lehren eingehandelt. Offensichtlich bringt Haderer wenig so in Rage, wie die Heuchelei rund um die Religion und in Österreich natürlich in erster Linie der Katholiken.
  In den folgenden "Deutschland über alles" und "O, du mein Österreich" dreht sich alles um die humorigen und, noch mehr, weniger lustigen Eigenheiten der Bewohner der beiden Länder. Wobei der Teil über Österreich natürlich umfangreicher ist. Und auch deutlich deftiger.
  In "Neue Arme - Neue Reiche" geht's um alle möglichen Phänomene und Trends in der heutigen Gesellschaft. Und "Die Kunst der hohen Politik" behandelt er diese Thema eher weit gefasst.
 
  Dieses Haderer Buch ist wegen seines Umfangs und des günstigen Preises wohl am empfehlenswertesten unter seinen Veröffentlichungen. Bildbände sind normalerweise deutlich teurer und so sollte man sich diese günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen, falls man generell Interesse an solchen Büchern hat. Da das Buch keine Seitenzahlen hat, hab ich keine angegeben, es ist aber deutlichumfangreicher als z.B. "Haderers Wochenschau" und natürlich auch als das ziemlich schmale "Jörgi, der Drachentöter".

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