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Jürgen Todenhöfer
Inside IS
10 Tage im "Islamischen Staat

C. Bertelsmann
2015
286 Seiten
ISBN-13: 978-3570102763
€ 17,99


Von Andreas Rüdig am 27.07.2015

  Zehn Tage lang reiste Jügen Todenhöfer als erster westlicher Publizist durch den "Islamischen Staat". Er wurde dabei von schwer bewaffneten Jihadisten begleitet - ein waghalsiges Unternehmen mit ungewissem Ausgang.
  
  Inhaltlich spielt sich das Buch auf  verschiedenen Ebenen ab.
  Erst einmal ist das Buch eine sehr persönlich geratene Reisebeschreibung in einen der gefährlichsten Erdteile der Gegenwart. Illustriert durch diverse Fotos im Mittelteil lernt der Leser so die Gedankenwelt der IS-Kämpfer und die Verhältnisse in den von ihnen kontrollierten Gebieten kennen.
  
  Der politikwissenschaftliche Teil ist ausbaufähig. Die Politik der USA gegenüber Arabien wird zwar allgemein kritisiert, aber nicht erläutert und vor allem nicht mit Fakten untermauert. Wie wird der Bürgerkrieg in Syrien finanziert? Wie kann sich das Assad-Regime so lange halten? Inwieweit sind Rußland und China involviert? Wie finanziert sich der IS? Und vor allem: Welche Rolle spielt Todenhöfer in dieser ganzen Gemengenlage? Wer sich nur aus der Tageszeitung und Fernsehen informiert, bekommt hier keine vernünftigen Antworten.
  
  Schlimm ist auch, daß die Rolle des Islam als Religion nicht beleuchtet wird. Es ist so einfach, auf die christlichen Kreuzzüge im Mittelalter hinzuweisen, ohne vom Islam eine Säkularisation / Verweltlichung einzufordern. Wer eine Religion dazu benutzt, um Menschen aus politischen Motiven heraus bestialisch zu ermorden und dabei kritikunfähig und kritikunwillig ist, rückt sowohl die Religion wie auch sich selbst in ein verabscheuungswürdiges Licht.
  
  "Eindringlich wird vor den radikalen und unmenschlichen Zielen des IS gewarnt, für die es keine Rechtfertigung gibt. Vor allem keine islamische. Der IS sei ein Kind des völkerrechtswidrigen  Krieges gegen den Irak. Todenhöfers dramatischer Bericht (...) ist eine eindringliche Mahnung, um einen politischen Ausweg aus der Gewaltspirale im Mittleren Osten zu finden. Und ein Plädoyer für eine klügere Antiterrorpolitik," heißt es auf dem hinteren Buchdeckel.
  Dafür fehlt eine sachliche Auseinandersetzung mit den Verhältnissen vor Ort in den arabischen Staaten, aber auch eine Antwort auf die Frage, warum ein altertümlicher, rückständiger Islam auf einmal so attraktiv für junge muslimische Menschen (vor allem Männer) in Europa wird.
   Der große Wurf ist das Buch nicht.

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