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Piet Bogner
Papua-Gold
Inspektor Taylor's spektakulärster Fall

Dr. Holger Braun
2015
464 Seiten
ISBN-13: 978-3944930015
19,90


Von Alfred Ohswald am 23.07.2015

  Die Leiche eines Chefgeologen eines amerikanischen Minenkonzerns wird zerstückelt im Dschungel vor einer Höhle in Papua-Neuguinea aufgefunden. Der erste Verdacht fällt auf Einheimische, die einen Akt der Blutrache verübt haben.
  Wegen der Brisanz des Falles schickt der Polizeichef den erfahrenen, schon knapp vor der Pensionierung stehenden Taylor zur Aufklärung in den Busch. Der entdeckt am Tatort nicht nur die zerstückelte Leiche, sondern auch ein Einschussloch im Kopf, dass er aber geheim hält. Damit wird ein Einheimischer als Täter unwahrscheinlicher.
  Mit einer Patrouille machen sie sich auf den Weg zu einem Dorf im Dschungel, dessen Einwohner sich verdächtig gemacht haben. Dort erfahren sie, dass sich der Häuptling für die Ermordung seines Vaters durch einen Weißen mit der Zerstückelung des weißen Toten gerächt hat. Mit dessen Ermordung scheint er aber nichts zu tun zu haben.
 
  Bogner war 20 Jahre als Ethnologe in Neuguinea unterwegs, weiß also wovon er schreibt. Somit bekommt man hier nicht nur einen nicht üblen Krimi zu lesen, sondern erfährt auch jede Menge über dieses exotische Land, insbesondere seine oft noch steinzeitlich lebenden Ureinwohner.
  Die positiven Aspekte überwiegen bei dem Roman etwas, aber auch die etwas negativeren sollten nicht unerwähnt lassen. Bogner versteht zwar recht gut zu erzählen und beschreiben aber bei Dialogen, besonders bei Selbstgesprächen zeigt er in Einzelfällen die Neigung zur Erklärung des Selbstverständlichen und zu zu vielen Adjektiven. Ständig wird süffisant oder sonstwie gegrinst, gelächelt oder gekichert. Und das Wort „Hochländer“ scheint auf einer Funktionstaste gelegen zu haben, so häufig wie es Verwendung findet.
  Wirklich schlecht gelungen ist hingegen sein Versuch, die Hauptfigur Taylor als witzig und schlagfertig darzustellen. Die von ihm gebrachten Oberstudienrat-Sprüche hätten schon im 19. Jahrhundert altväterlich gewirkt. Noch schlimmer ist jedoch, dass diese peinlichen Sprüche bei seinem Untergebenen regelrechte Lachanfälle auslösen. „'Na Gott sei Dank!' rief Taylor erleichtert. 'Ich habe schon befürchtet, in Ihnen bricht das Leiden einer Kommunikationsverstopfung aus.' Brian klopfte mit seinem Löffel an seinen Tellerrand und lachte aus vollem Hals.“
  Wäre der „Hochländer“-Humor auch nur ähnlich, wie in diesem Buch beschrieben, wären die Schotten nicht nur wegen ihrer kuriosen Trachten-Kleidung für Männer und ihrer oft gewöhnungsbedürftigen Musikinstrumente bedauernswert. Au0erdem wird gekichert und errötet, das man sich in einem Internat vorpubertierender höherer Töchter wähnt.
  Schließlich neigt Bogner auch zum Abschweifen. So handelt ein ziemlich langer Abschnitt davon, wie sich ein im Dschungel abgestürzter Pilot und sein Passagier zurück in die Zivilisation durchschlagen. Ist zwar interessant erzählt aber für die Handlung kaum von Relevanz.

Von Michaela Dentliker am 06.10.2015

  Ein Roman für länderkundlich Interessierte!
  Wer sich für fremde Länder interessiert und etwas über Papua erfahren will, sollte Papuagold lesen. Für mich war Taylor eine wunderbare Figur, ein Held vom alten sympathischen Schlag, der mich souverän und amüsant durch die spannende Handlung und das exotische Land geführt hat. Gerade in unserer kaputten Welt tut es gut, einem väterlichen Romanhelden zu begegnen, der noch den Überblick behält. Freilich kein Krimi wie die leichenblassen Streifen im Fernsehen, sondern zur Abwechslung mal was Buntes. Und freilich nur für Leute, die sich auf was radikal Neues einlassen wollen. Papua ist nicht Mallorca.
  Meine Lieblingsszene war die Szene wo der Landvermesser mit seinem Piloten im Dschungel abstürzt. Sie begegnen einem Freiheitskämpfe von Westpapua, erleben die alte Steinzeitkultur und erfahren eine Menge über die politische Situation im Land. Besser kann man sowas nicht verpacken als es Piet Bogner in Papuagold getan hat.
  Volle Sternenzahl!

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