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Dominique Manotti
Abpfiff
(KOP)

Ariadne
2015
Übersetzt von Andrea Stephani
240 Seiten
ISBN-13: 978-3867541978
€ 17,-


Von Hans Durrer am 02.07.2015

 
  Früher, als ich noch ins Kino gegangen bin, bin ich manchmal, wenn mich ein Film emotional getroffen hat, ganz beschwingt wieder auf die Strasse getreten. Ich fühlte mich dann präsenter, nahm alles wacher wahr, fühlte mich sehr lebendig.
 
  Ebenso geht es mir heute, wenn ich Dominique Manotti lese. Ich wähne mich in einem französischen Schwarz/Weiss-Film, der mir die soziale Realität besser vermittelt als alles, was ich sonst kenne.
 
  Paris, ein Morgen im Mai 1990. Beim Kommissariat von Levallois wird eine Schiesserei vor einem Einkaufszentrum gemeldet. Eine junge Frau und ein Fahnder vom Drogendezernat sind erschossen worden. Die beiden Täter sind auf einem Motorrad geflohen und werden kurz darauf gefasst: „Wir wären den beiden Armleuchtern nie auf die Spur gekommen, wenn sie nicht dummerweise zwei fabelhaften Kontaktbeamten über den Weg gelaufen wären, die während der Dienstzeit einen gehoben haben.“
 
  Für Commissaire Daquin, der Chef des erschossenen Inspecteur Romero, handelt es sich um einen Fall von Drogenhandel.
 
  Reynaud, der Bürgermeister von Lisle-sur-Seine und Präsident des Fussballclubs, scheint in den Fall verwickelt. Manotti charakterisiert ihn so: „Ein phänomenaler Machthunger, ebenso gross wie seine Angst, ein unbändiger Drang zu verführen, und wenn er abblitzt, promptes Umschalten auf Gewalt. Ein tolles Gespür für zwischenmenschliche Kräfteverhältnisse und ihre Nutzbarmachung, aber distanzlos, humorlos, gesetzlos. Ohne Danjou wäre er längst hochgegangen ...-“.
 
  Dann wird der Bruder der ermordeten jungen Frau auf dem Gelände des Stadions des FC Lisle-sur-Seine, wo er arbeitete, umgebracht. Der Torhüter des Vereins wird dermassen zusammengeschlagen, dass er in einem Auge blind wird ...
 
  „Abpfiff“ ist ein Krimi über Gewalt, Korruption und Doping im Fussball, bei dem immer wieder auf grössere Zusammenhänge hingewiesen wird – kein Wunder, hier hatte eine Historikerin den Griffel in der Hand beziehungsweise die Finger auf der Tastatur.
 
  Wie schon bei ihren früheren Werken, ist es auch hier der spezifische Manotti-Ton, der mir diesen Krimi sympathisch macht.Und es sind Beobachtungen wie diese: „Er hat den Hautkontakt mit dem Elektrorasierer nie gemocht, findet ihn zu lasch, zu ungenau, zu unpersönlich. Aber die Rasur ist ein unverzichtbares Reinigungsritual.“, die mir so sehr gefallen, dass ich sie mir zu eigen machen will.
 
  Es gibt bekanntlich die Auffassung, dass man darüber schreiben solle, was man kennt. Das mag häufig seine Berechtigung haben, doch Dominique Manotti führt sehr schön vor, dass man kein schwuler Mann sein muss, um den schwulen Commissaire Daquin nachempfindbar zu machen.
 
  „Abpfiff“ ist ein temporeicher und spannender Thriller, der gleichzeitig aufklärendes Sozialporträt ist und exzellent Stimmungen zu vermitteln weiss. Ein Manotti eben

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