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John Irving
Gottes Werk und Teufels Beitrag
(The Cider House Rules, 1985)

Diogenes
1988
Übersetzt von Thomas Lindquist
833 Seiten
DM 24,90


Von Alfred Ohswald am 20.09.2000

  Homer Wells wächst in einem Waisenhaus in einem gottverlassenen Nest in Maine auf. Dr. Wilbur Larch leitet dieses Waisenhaus mit Hilfe zweier Schwestern und einer Betreuerin aufopferungsvoll. Doch er betreut nicht nur die Geburt unerwünschter Kinder sondern macht auch illegale Abtreibungen um die Frauen nicht den dillethantischen Engelmachern auszuliefern. Als Homer bei drei Adoptionen kein Glück hat und langsam zu alt wird, um noch Ersatzeltern zu finden, lässt ihn Dr. Larch bei sich. Er soll sich nur nützlich machen, und mit der Zeit wird er zu Larchs talentiertem Assistenten. Er lernt unter Anleitung des Doktors schnell vor allem alles über die Gynäkologie. Eines Tages aber eröffnet er Dr. Larch, dass er selbst niemals Abtreibungen vornehmen wolle, weil er die Embryos für bereits lebende Wesen halte. Homer hat auch ein turbulentes Verhältnis mit dem ältesten Mädchen des Waisenhauses, der wilden und respekteinflößenden Melony. Er gibt ihr das Versprechen, sie niemals zu verlassen, doch die erste Leidenschaft kühlt schnell ab.
  Als eines Tages ein wohlhabendes junges Paar wegen einer Abtreibung auftaucht, sieht Dr. Larch eine gute Chance für Homer sich in der Welt umzuschauen. Er hat sich schnell mit Candy und Wally, den beiden jungen Leuten, angefreundet und wird von ihnen für den Sommer in Wallys Elternhaus, eine Apfelfarm, eingeladen. Larch drängt ihn, diese Möglichkeit zu ergreifen, und so fährt Homer mit den Beiden mit. Bald darauf reißt Melony aus und begibt sich auf einer abenteuerliche Suche nach Homer.
  Homer fühlt sich auf der Apfelfarm wohl, verliebt sich aber bald in Candy. Da er aber auf Wally Freundschaft Wert legt, bleibt es eine platonische Beziehung. In Europa tobt bereits der 2. Weltkrieg und Wally will sich freiwillig melden, falls Amerika hineingezogen wird. Und als die Japaner Pearl Habor bombardieren, ist es soweit.
 
  Das Hauptthema dieses vor Kurzem von Lasse Hallström verfilmten Romans ist die Abtreibung. Wobei sowohl Gottes Werk, die Geburtshilfe, als auch Teufels Beitrag, die Abtreibung eine große Rolle spielen. Der Roman reicht mit seiner Vorgeschichte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und endet Mitte des 20. Jahrunderts. Detailliert werden die Verhältnisse, besonders in der Gynäkologie und auch die Abtreibungspraxis in dieser Zeit geschildert.
  Irving spricht, wie immer, das ganze Spektrum an Emotionen beim Leser an. Sein Humor entsteht meist durch die Betrachtung ziemlich alltäglicher Dinge aus einem besonderen Blickwinkel oder durch ein gehäuftes Auftreten und die Interaktion wunderlicher Persönlichkeiten. Man kann den Eindruck gewinnen, er könnte einen umfangreichen Wälzer mit den Memoiren einer Schildkröte schreiben, ohne den Leser eine Seite lang zu langweilen.

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