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Amrita Pritam
Life and Poetry of Sara Shagufta

South Asia Books
1994
Übersetzt von Gurdev Chauhan
113 Seiten
ISBN-13: 978-8170187714


Von Volker Frick am 02.06.2015

  Die bekannte indische Schriftstellerin Amrita Pritam (1919-2005) hat neben zahlreichen Veröffentlichungen, mehr als zwei Dutzend Romane, Gedicht- und Essaybände, Anthologien, zwei Autobiographien, auch noch die Zeit gefunden, Bücher über andere Autoren zu schreiben. Im vorliegenden Buch schreibt sie über das kurze Leben der Sara Shagufta. Es erschien im Original 1988 auf Hindi in Neu Delhi. Eben dort, sechs Jahre später translated from Hindi by Gurdev Chauhan, ins Englische.
  Für Sara Shagufta wird Dichtung zum Brot des Lebens, da eines ihrer Kinder kurz nach der Geburt stirbt, ihr zweiter Ehemann diesem Ereignis völlig indifferent gegenüber steht. Sara Shagufta ist Opfer und Überlebende ihrer drei gescheiterten Ehen, u.a. mit dem Dichter Afzal Ahmad Syed, in denen sie die physische Gewalt einer zutiefst patriarchalen Gesellschaft durch ihre Ehemänner erlitt. Ihre Kinder wurden ihr weggenommen, immer wieder Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, in denen mittels Elektroschocks den wiederkehrenden Suizidversuchen etwas entgegengesetzt werden sollte. Im Alter von 29 suizidiert sich Sara Shagufta, in dem sie sich vor einen Zug wirft.
  Dieses Buch besteht zu einem nicht unerheblichem Maße aus Briefen von Sara Shagufta an Amrita Pritam, enthält aber auch viele Briefe von und an andere Dichter, an Menschen wie ihren zweiten Ehemann, an Ärzte, oder tatsächlich Zia-Ul-Haq (General, nach Militärputsch 1978-1988 Präsident von Pakistan), des weiteren die persönlichen Erinnerungen der Autorin, der hier ein sehr intensives Buch über eine zumindest in unseren Breitengraden weitgehend unbekannte Autorin gelungen ist.
  Autobiographische Notate von Sara Shagufta durchziehen das ganze Buch, wie auch ihre Gedichte, oft nur in Auszügen, unbetitelt, im Entstehen begriffen. Aufzeichnung des Augenblicks, der in seiner Vorläufigkeit alle Endlichkeit beinhaltet. Und so ist dieses Buch in seiner zwar immer durch Datum authentifizierten Darstellungsweise konventionell, aber damit hat's sich auch, denn das ganze Buch ist ein Strom von Worten, die in ihrer Intensität, in ihrer Gesamtheit die Totalität einer starken, arg gequälten Person ins Spiel bringt, die als Mensch, als pakistanische poetess Anfeindungen ihrer Dichtung, üblen Nachreden und Verleumdungen ausgesetzt, da sie als Frau dieser, ihrer Kunst nachging.
  Die Übersetzung des Buches aus dem Hindi ins Englische durch Gurdev Chauhan dünkt mir nicht gänzlich gelungen – vor allem sei die völlig indifferente Darstellung der unterschiedlichen Textklassen erwähnt. Ob nun Amrita Pritam erzählt, kommentiert, erinnert, oder nur einen Satz fortspinnt, den Sara Shagufta als letzte Zeile eines Gedichtes entworfen, oder ob dieser Satz, diese Zeile ein Kommentar von Shagufta zu einem Gedicht ist, das ist (leider) alles typographisch nicht ersichtlich. Sara Shagufta hat auf Urdu geschrieben, National- und Amtssprache in Pakistan und einigen indischen Bundesstaaten. Urdu und Hindi sind Soziolekte des Hindustani. Urdu wird auch als „Sprache der Dichtkunst“ bezeichnet.
  Gedichte von Sara Shagufta (31.10.1954-04.06.1984) finden sich zwar auch im Netz, neun Gedichte von ihr in dem ebenfalls bemerkenswerten Buch „An evening of caged beasts : seven post-modernist Urdu poets“ von Asif Farrukhi (New York 1999), die überwiegend ihrem 1985 in Karachi erschienenen Gedichtband 'Aankhen' (zuerst 1982 unter dem Titel 'Balde Akhar') entliehen sind. Zu Beginn diesen Jahres kam das zweite Theaterstück über das Leben von Sara Shagufta (nach 'Main Sara' von Shahid Anwar 2011) in Indien auf die Bühne: 'Sara Ka Sara Aasman' von Danish Iqbal, und Iqbal hat als Grundlage dieses Buch von Amrita Pritam genutzt.
  Eine Empfehlung. Das Buch ist (leider) allenfalls in der Bibliothek ihrer Wahl zu finden.

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