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Albert Einstein
Briefe

Diogenes
2015
112 Seiten
ISBN-13: 978-3257203035
€ 8,90


Von Hans Durrer am 03.05.2015

  Wer wie ich von Albert Einstein nicht viel mehr weiss, als dass er eine Ausnahmeerscheinung, der Erfinder der allgemeinen Relativitätstheorie und einmal beim Eidgenössischen Patentamt in Bern angestellt gewesen war, ist dieser Band eine super-spannende Informationsquelle.
 
  Zuallererst: es handelt sich bei „Briefe“ nicht um einen Band, in dem man vollständige Briefe an Einstein und seine ebenso vollständigen Antworten an die entsprechenden Schreiber findet. Was also dann?
 
  Die Herausgeber Helen Dukas und Banesh Hoffmann äussern sich dazu wie folgt:
 „Es ist keine Biografie und erklärt nicht Einsteins Ideen. Es hat keine Kapitel, keine Inhaltsübersicht, kein Register und, auf den ersten Blick, keinen zugrundeliegenden Plan und keine Gliederung. Es besteht zum grössten Teil aus Zitaten aus bisher unveröffentlichten Briefen und Zeugnissen, die Einstein ohne Gedanken an eine Publikation schrieb.“
 
  „Briefe“ gibt einen höchst aufschlussreichen Einblick in Einsteins Denken. Nicht nur wegen der Briefauszüge, sondern auch wegen der knappen, klaren und wohl-formulierten Kontextualisierungen der beiden Herausgeber.
 
  Am 17. März 1932, zum 100. Todestag Goethes, beschloss die Kaiserlich-Leopoldinisch-Carolinische Akademie der Naturforscher, Leopoldina, Einstein zum Mitglied zu ernennen. Dazu erforderlich war, dass dieser einen Lebenslauf einreichen sowie einen Fragebogen beantworten musste, in dem auch nach den Zielen seiner Arbeit gefragt wurde. Einstein antwortete: „Mein eigentliches Forschungsziel war stets die Vereinfachung und Vereinheitlichung des physikalisch theoretischen Systems ...“.
 
  Schon im Alter von sechzehn Jahren war ihm klar, dass er Mathematik und Physik studieren wollte. Was die Gründe anlangte, so stellte der Jüngling mit verblüffender Klarheit fest: „... zur Hauptsache aus meiner individuellen Veranlagung für abstraktes und mathematisches Denken, aus dem Fehlen von Phantasie und praktischer Begabung. Auch meine Wünsche haben mich zu demselben Entschluss geführt ...“.
 
  Einstein antwortet in seinen Briefen auf Fragen nach Gott, dem Zionismus, der Religion, der Wissenschaft und vielem mehr; er scheut sich auch nicht, Kindern Ratschläge zu geben („Wenn Ihr diesem natürlichen Fühlen in Euch Raum gebt ...“) und erteilt einem Mann, der ein Buch plante, das auf der Psychoanalyse bedeutender Menschen beruhen sollte, eine klare Absage: „Ich bedauere, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können, weil ich gerne im Dunkel des Nicht-Analysiertseins verbleiben möchte.“
 
  „Briefe“ gibt unter anderem Auskunft über Einsteins bemerkenswerte Freundschaft mit König Albert und Königin Elisabeth von Belgien, legt Zeugnis ab von seiner Abneigung gegen das „Wettrennen der Geister“ um akademische Lehrstühle und führt für mein Empfinden verblüffend einfach aus, worin sich das Gemeinsame im künstlerischen und wissenschaftlichen Erleben zeigt: „Wird das Geschaute und Erlebte in der Sprache der Logik nachgebildet, so treiben wir Wissenschaft, wird es durch Formen vermittelt, deren Zusammenhänge dem bewussten Denken unzugänglich, doch intuitiv als sinnvoll erkannt sind, so treiben wir Kunst. Beiden gemeinsam ist die liebende Hingabe an das Überpersönliche, Willensferne.“
 
  Eine wunderbar hilfreiche und nützliche Lektüre!

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