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Andre Dubus
Tanz zu später Stunde
(Dancing After Hours, 1996)

Reinbek
2000
314 Seiten


Von Volker Frick am 05.09.2000

  Andre Dubus ist am 24. Februar 1999 gestorben. 3 Ehen, 6 Kinder, 9 Bücher. Göttliche Prosa. Und er ist immer noch der beste Shortstory-Schreiber Amerikas. Im Juli 1986: Bei einem Autounfall auf einer Interstate hilft er und wird dabei selbst Opfer eines Automobils, verliert ein Bein, das andere ist Klump. Rollstuhl. In den 70ern begann er zu schreiben, doch durch den Unfall mitbedingt (ein Jahr später verliess ihn seine dritte Frau mit den beiden Töchtern, 8 und 4) erschien erst wieder 1996 ein Buch von ihm: "Dancing After Hours", übersetzt von Benjamin Schwarz: "Tanz zu später Stunde".
  14 Geschichten beseelt von der Schönheit und Traurigkeit des menschlichen Lebens, erzählend die Copingstrategien der Menschen bei Schmerz und Verlust. Sie versuchen das Beste draus zu machen, obwohl sie wissen, das Beste ist nicht gut genug. Und die Erinnerungen schmerzen, wie die Knochen bei Regen. Psychologischer Realismus, und die Hinweise auf Raymond Carver sind völlig verfehlt.
  Andre Dubus ergreift das Wort, konzentriert sich, schreibt es auf, dann das nächste Wort. Natürlich sind Gefühle nicht zu beschreiben, dachte ich immer, war überzeugt davon, und wir alle sprechen zuviel, aber dann las ich, und ich wusste, da spricht, beschreibt, na ja, erzählt ein Mensch auf ungeahnte Weise Gefühle, die so bekannt uns allen. Es geht. Es geht gut. "Von Tag zu Tag besser" hätte Beckett gesagt. "Das bleibt" würde vielleicht der Literaturpapst sagen, und aus der Reihe getanzt fällt mir Walker Percy ein, oder Kenneth Patchen (von deutschen Verlegern irgendwo verlegt). Das Glück ist immer schon verloren in diesen Geschichten des 1936 in Lake Charles/ Louisiana geborenen Professors für Literaturwissenschaft.
  Hoffnungsschimmer irgendwo am Horizont, und als letztes, sagen die Russen, stirbt die Hoffnung, oder wie sein Sohn, Andre Dubus III, in seinem jüngst auf deutsch erschienen zweiten Roman "Haus aus Sand und Nebel" einen Barkeeper irischer Herkunft sagen lässt: "Amerika ist das Land, wo Milch und Honig fliessen. Aber nie sagt dir mal einer, dass die Milch sauer und der Honig geklaut ist."
  Uneingeschränkt empfehlenswert dieses Buch, herausragend die Story "Gnade", die in ihrer Intensität in nichts nachsteht der legendären Story "Der Schwimmer" von John Cheever. Greifen Sie zu!

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