Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Jules Renard
Das Leben wird überschätzt

Matthes & Seitz
2015
70 Seiten
ISBN-13: 978-3882214024
€³ 10,-


Von Hans Durrer am 17.04.2015

  Jules Renard, geboren 1864 in Châlons-du-Maine, ist durch seine „von aphoristischen Gedanken durchzogenen Tagebücher“ bekannt geworden, lese ich im Klappentext und frage mich, ob man eigentlich aphoristische Gedanken haben kann, nehme dann aber an, dass es sich um Gedanken handeln muss, die in aphoristischer Form ausgedrückt worden sind. Davon ist das vorliegende Buch nicht nur durchzogen, so recht eigentlich besteht es ausschliesslich aus Aphorismen, und zwar aus hübschen, zur Zustimmung, aber auch zum eigenen Denken einladenden.
 
  Herausgeber Henning Ritter schreibt im Nachwort: „Renards aphoristische Sätze sind Antworten auf Fragen, die immer wieder gestellt werden.“ Das mag zwar auf einzelne Sätze zutreffen, ist jedoch aufs Ganze gesehen falsch. Sätze wie – ich wähle ganz willkürlich aus – „Der Kaffee in meiner Tasse: Er spiegelt meine schwarzen Gedanken“; „Der Wind, der die Seiten umblättert, aber nicht lesen können“ zeugen ganz einfach von einem smarten Beobachter, der es versteht, Pointen zu setzen.
 
  Noch einmal Henning Ritter: „Bei Jules Renard wirkt alles so leicht wie durchtrieben. Alle Wege zur Klarheit sind im recht. Renard will nicht witzig sein, sondern nur deutlich.“ Das ist erhellend und hilfreich und ermöglicht eine geschärfte Sicht auf diese aus Tagebüchern ausgewählten Sätze.
 
  Jules Renards „Das Leben wird überschätzt“ ist ein dünner (70 Seiten), ansprechend gestalteter Band mit sehr unterschiedlichen Ansichten und Einsichten, mit denen man sich gerne beschäftigt, weil sie von einem wachen und unabhängigen Geist zeugen. Ich habe ihn mit Gewinn gelesen. Und will hier ein paar Sätze zitieren, die es mir ganz besonders angetan haben.
 
  „Ich habe einen antiklerikalen Geist und das Herz eines Mönchs.
 
  „Studieren, aber ohne die Bücher.“
 
  „Ich begreife den Baum, er denkt nicht nach.“
 
  „Tolerieren Sie bitte meine Intoleranz.“
 
  „Freidenker. Denker würde genügen.“

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.