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John Irving
Das Hotel New Hampshire
(The Hotel New Hampshire, 1981)

Diogenes
1982
Übersetzt von Hans Herrmann
599 Seiten
DM 22,90


Von Alfred Ohswald am 27.08.2000

  John wächst in einer eher ungewöhnlichen Familie auf. Sein ältester Bruder ist als Kind ziemlich mürrisch und tollpatschig und später stellt sich heraus, dass er schwul ist. Ein besonderes Verhältnis hat John zu seiner älteren Schwester, Franny. Zu ihr fühlt er sich mit der Zeit immer stärker hingezogen, wobei er irgendwann an die Grenzen der Geschwisterliebe stößt. Er hat auch noch die beiden jüngeren Geschwister Lilly, die eines Tages aufhört zu wachsen, und Egg, der eines Tages Zuneigung zu einem ausgestopften Hund entwickelt, der noch für einige Aufregung sorgen sollte.
  Sie alle wachsen in einem kleinen, ziemlich schwach besuchten Hotel namens "New Hampshire" auf. John und Franny gehen zusammen durch dick und dünn, doch als Franny wirklich in Gefahr gerät kommt John schlussendlich zu spät.
  Später ziehen sie nach Wien, weil ihr Vater einen alten Freund dort bei der Führung eines anderen Hotels helfen will. Doch ein Unglück kostet zwei Familienmitgliedern das Leben und das Hotel stellt sich als eine ziemlich heruntergekommene Absteige heraus, dass hauptsächlich von Huren und einer Gruppe Anarchisten bewohnt wird.
 
  Wie üblich schöpft Irving scheine immer an der Absurdität entlang streifenden Geschichten aus Personen und Geschehnissen, die fast normal sind. Bei ihm sammeln sich diese normalerweise nicht überall anzutreffenden Figuren und Dinge aber auf engsten Raum, und dann braucht er der Sache nur mehr seinen Lauf zu lassen, um die irrwitzigsten Szenen entstehen zu lassen. Ohne Probleme passieren in seinen Geschichten oft an Chaplin erinnernde Slapstick und tieftraurige Ereignisse ohne im Geringsten aufgesetzt zu wirken. Dazu gehört natürlich eine außergewöhnliche Erzählkunst, und darin ist Irving ein Meister. Bis zur letzten Seite kann man sich nicht vom Schicksal seiner Figuren lösen.
  "Das Hotel New Hampshire" erreicht nicht ganz die Eindringlichkeit von z.B. "Owen Meany", aber es ist durchaus mit "Garp und wie er die Welt sah" vergleichbar. Auch die schon zu Irvins typischen Inventar gehörenden Versatzstücke, wie eine Kleiderpuppe, der Handlungsort Wien und der Bär, der hier zwei Mal auftaucht und dann den Namen "Susi" trägt und nicht das ist, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Bei der Übersetzung der zahlreichen Flüche hätte allerdings etwas weniger Worttreue sicher realistischer gewirkt. Wer sagt im deutschen Sprachraum schon ständig "verfickt"?

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