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William Boyd
Solo
(Solo. A James Bond Novel)

Berlin Verlag
2014
Übersetzt von Patricia Klobusiczky
368 Seiten
ISBN-13: 978-3833309861
€ 9,99


Von Hans Durrer am 21.02.2015

  „James Bond träumte.“ Ein toller Satz, um einen James-Bond-Roman anzufangen, denn dass 007 träumen könnte, wäre mir in den Bond-Filmen gar nie in den Sinn gekommen. Und dass der Mann, während er auf das Frühstück wartet, raucht, finde ich auch deswegen so gelungen, weil es einen schönen Kontrapunkt setzt zum grassierenden Gesundheitswahn unseres Zeitgeistes.
 
  007 feiert seinen 45. Geburtstag im Dorchester, wo er auf die schöne Bryce Fitzjohn trifft und zwar gleich mehrmals innert kurzer Zeit. „Was nach Zufall aussieht, ist höchstwahrscheinlich keiner“, lautet einer der wichtigsten Leitsätze seines Berufsstandes, doch Bond gefällt die selbstbewusste Frau und so lässt er sich von ihr einladen ... doch da wird er zu M beordert.
 
  Bond hat Halsschmerzen, als er bei M eintrifft.
  „'Sie rauchen einfach zu viel', sagte M. Er setzte sich und hielt seine Pfeife hoch. 'Versuchen Sie es mal damit. Hatte seit meiner Schulzeit nie wieder Halsschmerzen.'
  'Danke für die Anregung, Sir', sagte Bond diplomatisch. Eher würde er ganz aufs Rauchen verzichten.“
 
  Es sind unter anderem solche sehr englisch-witzigen Szenen, die William Boyds „Solo“ zu einem Lese-Vergnügen machen.
 
  Im westafrikanischen Zanzarim wurden Ölvorkommen entdeckt, seitdem gibt es Bürgerkrieg, Bond soll ihn beenden. „Bond sollte sich irgendwie in Dahum einschleichen und den Brigadegeneral auf irgendeine Weise 'lahmlegen' ... Aus Ms Sicht mochten diese Instruktionen glasklar sein ...“.
 
  William Boyd präsentiert einen etwas anderen als den Film-007. Und das macht die Lektüre ganz besonders kurzweilig. „Bond bummelte zum zweiten Mal die Strasse in Bayswater hinunter und schloss sich an der Bushaltestelle einer langen Schlange von Wartenden an, um sich in aller Ruhe umzusehen.“ Und er geht ins Kino, wo er auf einem Plakat Bryce Fitzjohn wieder trifft, die unter dem Namen Astrid Ostergard in zweitklassigen Horrorfilmen auftritt.
 
  Die Stationsleiterin in Zanzarim entpuppt sich als die junge, attraktive Efua Blessing Ogilvy-Grant, Tochter eines schottischen Ingenieurs und einer Dolmetscherin aus Zanzarim. Auch Boyds Bond ist übrigens gemischter Nationalität – seine Mutter ist Schweizerin.
 
  Mit Blessing macht sich Bond auf nach Dahum. Als er sich auf der Fahrt erleichtern muss, gibt das Boyd, der in Ghana geboren wurde, die Gelegenheit, sich über Afrikanisches zu äussern. „Kaum hatte er ein paar vorsichtige Schritte in den Wald gemacht, geriet das Auto aus seinem Blickfeld. Die Luft war von Geräuschen erfüllt – Frösche, Vögel, Insekten – , und er fühlte sich plötzlich ungeheuer einsam, obwohl es um ihn herum vor Leben nur so wimmelte: Ameisenkolonnen zu seinen Füssen, ein Trio magentaroter Schmetterlinge, die einen Sonnenstrahl erkundeten, ein paar kreischende Vögel auf einem hohen Ast, eine Eidechse, die auf einem Stein Liegestütze machte. Und er als einziger Vertreter der Gattung Homo sapiens, der gerade seine Blase entleerte, war bloss einer von vielen Organismen in diesem wuselnden Urwald.“
 
  Bond und Blessing werden von Soldaten aus Dahum gefangen und mitgenommen, doch bald darauf gelingt es ihnen zu fliehen. Kurz darauf kommt es zu einer Schiesserei und Bond findet sich in einem Geisterdorf wieder, kriegt es in der Folge mit einem Juju-Mann zu tun, und dann entpuppt sich die tot geglaubte Blessing als ... das soll hier natürlich nicht verraten werden. Nur soviel: Bond wird für einmal auch in Amerika aktiv.
 
  Das alles ist gut geschrieben, voller überraschender Wendungen, immer wieder amüsant, mit einem mitfühlenden und sehr menschlichen Bond. Seinen ganz besonderen Reiz bezieht „Solo“ aus Boyds profunder Kenntnis von Afrika.

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