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Robert Wilson
Stirb für mich
(Capital Punishment)

Page & Turner
2013
Übersetzt von Kristian Lutze
544 Seiten
ISBN-13: 978-3442204229
€ 14,99


Von Hans Durrer am 04.01.2015

  Robert Wilsons „Tod in Lissabon“, für den er den Gold Dagger Award und den Deutschen Krimi-Preis erhielt, gehört zu meinen liebsten Thrillern überhaupt. Und so bin ich denn „Stirb für mich“ mit grossen Erwartungen angegangen – und sie wurden alle erfüllt.
 
  Als Alyshia D'Cruz, die Tochter des indischen Grossindustriellen Frank D'Cruz, in London entführt wird, befindet sich Charles Boxer, Ex-Militär, Ex-Polizist, und gesuchter Spezialist für hochkarätige Entführungsfälle, gerade in Lissabon, wo er einem reichen brasilianischen Geschäftsmann hilft, den Drahtzieher der Entführer von dessen Tochter ins Jenseits zu befördern. Doch Charles Boxer ist kein Killer, er ist ein Mann, der der Gerechtigkeit nachhilft, wenn diese klemmt.
 
  Frank D'Cruz will, dass Boxer ihm seine Tochter zurückbringt und die Entführer tötet. Doch dann zeigt sich, dass unter den Entführern Verhörspezialisten sind, die sehr viel über die Verhältnisse in der Familie D'Cruz wissen und es bei dieser Entführung nicht um Geld, sondern um eine 'Demonstration der Aufrichtigkeit' geht. Was es damit auf sich hat, erschliesst sich nicht nur dem Leser, sondern auch den Protagonisten dieses fesselnden Buches erst nach und nach.
 
  Besonders eindrücklich ist, wie differenziert Wilson die Arbeit des Kidnapping-Spezialisten Boxer schildert, für die es neben viel nüchternem Denken auch ganz viel Einfühlungsvermögen braucht.
 
  Als in London auf Frank D'Cruz, der Verbindungen zu vielen recht dubiosen Typen hat, geschossen wird, ist Boxer klar, dass dieser ihm Informationen vorenthält. Kein Wunder, bei Franks Motto: „Wenn du offen zu den Menschen bist, werden sie jede Gelegenheit nutzen, sich dir in den Weg zu stellen.“
 
  Wie viele gute Thriller erzählt auch „Stirb für mich“ ganz viele Geschichten in einer. So erfährt man etwa am Beispiel von Boxer, seiner Ex-Frau Mercy und ihrer Tochter Amy, einiges über die Schwierigkeiten der Kindererziehung in der heutigen Zeit. Und man lernt, dass es zwischen Mumbai/Bombay und Dubai immer schon recht enge Beziehungen gab. Und wie zerstritten Terroristen sein können. Und und und ... Und dann gibt es da noch eine Liebesgeschichte, die die Dinge auch nicht gerade einfacher macht.
 
  „Stirb für mich“ gibt unter anderem Einblicke ins Wirtschaftsleben („Freundschaft ist in dieser Welt nicht im Angebot ... Kontakte sind alles, aber nur um ein Netz aus Beziehungen zu knüpfen.“), in die Politik, die Welt der Geheimdienste sowie ins Gangstertum und in den Terrorismus, ist raffiniert aufgebaut, gut geschrieben und überzeugt vor allem, weil alle Beteiligten komplexe Charaktere und clever sind. Und weil, wie immer bei Robert Wilson, gescheite Lebensbeobachtungen im Text zu finden sind. „Er wusste, dass sie gut zusammenarbeiten würden, weil sie das unzerstörbarste aller menschlichen Gefühle verband: Vertrauen.“ „Ihre Krankheit (der Alkoholismus) macht sie ... launisch und jähzornig.“ „Sie (die Autoren) sind intelligent, aber wirklichkeitsfremd. Egoistisch, aber unsicher. Kommunikativ, aber abgehoben. Bekannt, aber einsam lebend. Talentiert, aber in den eigenen Augen wertlos.“
 
  Mit „Stirb für mich“ legt „Page & Turner“ einen wirklichen „Page-Turner“ vor. Brillant! Ein Muss!

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