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Miquel Martí i Pol
La fábrica

Maro
2014
103 Seiten
ISBN-13: 978-3875124620
€ (A) 15,30


Von Rudolf Kraus am 01.01.2015

  Miquel Martí i Pol ist einer der berühmtesten Dichter Kataloniens, der sowohl zur katalanischen Schullektüre als auch zur Alltagslektüre gehört. 1999 war er für den Literaturnobelpreis nominiert, bekommen hat ihn in diesem Jahr Günter Grass.
  Im Zentrum dieses zweisprachigen Gedichtbandes steht die Fabrik, eine Textilfabrik, in der Martí i Pol viele Jahre gearbeitet hat, bevor er an Multipler Sklerose erkrankte.
  Die Schicksale der einfachen, oft geschundenen Menschen sind Kern seiner Dichtung und er leiht diesen Menschen seine Stimme, auch wenn diese bei aller Sozialkritik von einer gewissen Hoffnungslosigkeit getragen ist: „Es wird nicht nutzen, / dass ich dieses Gedicht ihr zum Andenken widme, / und wenn ich sage, dass sie bei der Arbeit sang, / erzähle ich lediglich Dinge, / die ohne jede Bedeutung sind“.
  Er widmet dieses Gedicht Soledat González, die als Toilettenputzfrau in der Fabrik gearbeitet hatte und ein Jahr nach ihrer Pensionierung verstorben ist, und endet mit den Worten: „Alles, was man verliert, verliert man für immer: / ihr, ich, Soledat González …“ („In memoriam“, S. 89/90).
  Martí i Pol erzählt in Balladenform vom Leben und Leiden von Menschen aus der Fabrik, die er nicht nur kannte, sondern deren Schicksal er teilte.
  „Die Moral ist die Schutzwehr der Freiheit. // Du und ich – merkst du es nicht? – / können nicht auf dem gleichen Stuhle sitzen.“ heißt es in „Die Worte“ (S. 45). Inmitten der Franco-Diktatur, wo die Unterdrückung in allerlei Formen und Ausformungen stattfand, war seine Dichtung sowohl vom sozialkritischen Inhalt her als auch von der katalanischen Sprache her zumindest ein Affront.
  Umso wichtiger ist es, sein Werk auch in vielen anderen Sprachen zugänglich zu machen, und dieses Buch ist ein weiterer Schritt dazu.

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