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Daniel Glattauer
Geschenkt

Deuticke
2014
334 Seiten
ISBN-13: 978-3552062573
€ 19,90


Von Sabine Breit am 10.12.2014

  Eine tatsächliche, unaufgeklärte Spendenserie dient hier als Erzählgerüst für „Geschenkt“
 
  Wenn ein kaum enthusiasmierter Journalist, dessen Leidenschaft, so sie überhaupt vorhanden, hauptsächlich dem Alkohol gehört, mit seinem quasi aus dem Nichts aufgetauchten, 14-jährigen Sohn zur medialen Drehscheibe einer vielfach beachteten Spendenserie wird und zu journalistischer Hochform in der sozialen Berichterstattung aufläuft, dann kann so eine Geschichte nur vom Leben selbst oder von Daniel Glattauer geschrieben worden sein.
 
  In diesem Fall trifft beides zu. Eine Serie anonymer Geldspenden an karitative Einrichtungen und sozial Schwache gab es tatsächlich vor einigen Jahren. Diese hat Daniel Glattauer aufgegriffen und damit und drum herum eine warmherzige und wortwitzige Geschichte geschnitzt, die im Herbst und in der Vorweihnachtszeit spielt und wohl auch nicht ganz zufällig jetzt, im Herbst, wo mit Lebkuchen in den Supermarktregalen schon vorm, mit immer größer werdenden Schritten herannahenden Weihnachtsfest gewarnt wird, erschienen ist.
  Gerold Plassek, Journalist bei einer Gratistageszeitung, bekommt wie aus dem Nichts – denn viel mehr als nichts war mit Alice vor 15 Jahren und auch seither nicht – einen 14-jährigen Sohn – Manuel. Weil seine Mutter für ein halbes Jahr nach Afrika als Ärztin ohne Grenzen geht, sucht sie jede nur erdenkliche Betreuung für ihren vaterlos aufgewachsenen Sohn. Und da fällt ihr nach 14 Jahren ein, dass Manuel eben doch auch einen Vater hat.
  So sind Manuel und Gerold gezwungen, Nachmittag für Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Anfangs beide genervt, gelangweilt und nichts miteinander anfangen könnend. Das ändert sich, nachdem Gerold den Job beim Gratisblatt hinschmeißt aus ideellen Gründen und um nicht als Versager vor seinem Sohn dazustehen. Ja, plötzlich ist ihm wichtig, was andere – in diesem Fall sein Sohn – von ihm halten.
  Es geht um Manuels Freund, der mit seiner Familie nach jahrelangem Warten auf einen positiven Asylbescheid nun doch abgeschoben werden soll. Weil Gerolds Chefredakteur diese Geschichte nicht bringen will, kündigt er und geht damit zu einer anderen, angeseheneren Zeitung, und die bringt die Story tatsächlich und landet großen Erfolg damit. Das ist die erste Geschichte, die Manuel und Gerold gemeinsam machen, und es sollen noch einige folgen. Und zu jeder Geschichte der beiden gibt es wenige Tage später ein Spendenkuvert vom anonymen Geldgeber, der sich bis zum Schluss nicht zeigen will.
  Vater und Sohn schweißen diese aufregenden Vorweihnachtstage eng zusammen und geben Gerold ein neues Gefühl von Zwischenmenschlichkeit und Lebensqualität.
 
  Daniel Glattauer wird ja von bösen Zungen vorgeworfen, er schreibe bloß „Trivialliteratur“. Ja, mag schon sein, dass dem so ist. Nichts destotrotz verkaufen sich seine Bücher sehr gut – und zu Recht, wie mir scheint.
  Mit „Geschenkt“ ist ihm einmal mehr ein besonders schöner Roman gelungen, in dem er den Leser mitnimmt auf eine Reise in eine kalte und korrupte Journalistenwelt, die von einem 14-jährigen und seinem, dem Alkohol zugeneigten Vater aufgemischt wird. Man kann sich ruhig auf die Trivialität des neuen Glattauers einlassen, es macht Spaß, ihn zu lesen und rührt grad im richtigen Ausmaß, so dass man mit einem breiten Grinsen im Gesicht dieses Buch zu Ende liest. Zumindest ging es mir so. Chapeau, Daniel Glattauer!

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