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Ernest Hemingway
Haben oder Nichthaben
(To Have and Have Not, 1937)

Rohwohlt
1995
159 Seiten
DM 8,90


Von Alfred Ohswald am 10.08.2000

  Harry Morgan ist Besitzer eines Bootes in Key West mit dem er sich und seine Familie erhält. Key West ist ein hartes Pflaster und Harry scheut auch gelegentliche Schmuggelfahrten nach Kuba nicht, im allgemeinen vermietet er sich und sein Boot aber an Fischer.
  Zur Zeit hat Mr. Johnson in Havanna sein Boot gechartert und als er durch Ungeschick einen riesigen Schwertfisch entkommen lässt und dabei die Anglerausrüstung beschädigt, kommt es zu einem kurzen Streit. Am nächsten Tag ist er ohne zu bezahlen verschwunden.
  Harry hat sogar zu wenig Geld zum Tanken und sieht sich gezwungen, ein weniger legales Geschäft zu erledigen. Er soll einige Chinesen nach Amerika zu schmuggeln. Sein Verdacht, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugeht und es gefährlich für ihn werden könnte, bestätigt sich. Er muss den Chinesen, der das Geschäft eingefädelt hat, töten, um sich selbst und die geschmuggelten Chinesen zu retten.
  Bei einer späteren Fahrt wird er beim Schmuggeln erwischt und von einem Polizeiboot beschossen. Dabei werden er und sein schwarzer Begleiter verwundet. Verzweifelt versucht er die Schmuggelware loszuwerden, um nicht ins Gefängnis zu wandern und sein Boot zu verlieren. Schließlich wird sein Boot doch beschlagnahmt und er verliert durch die Verwundung einen Arm.
  Nun ist er erst recht gezwungen, zweifelhafte Jobs anzunehmen. Ein ihm wenig sympathischer Mann bietet ihm ein Geschäft mit zwielichtigen Kubanern an und er ist nicht in der Situation, um abzulehnen.
 
  In seinem charakteristischen, knappen Stil erzählt Hemingway vom vergeblichen Lebenskampf eines armen Mannes, dem seine ganze Härte und Geschicklichkeit schlussendlich nichts nützt. Oft braucht er manche Dinge gar nicht erwähnen oder lang zu umschreiben, und der Leser weiß trotzdem, was gemeint ist. Und natürlich beherrscht er die Beschreibung und Charakterisierung verschiedenster Protagonisten meisterhaft.
  Die Grundstimmung der Geschichte ist eine Ausweglosigkeit für fast alle darin auftauchenden Personen. Die meisten davon sind gescheiterte Existenzen, die durch das Leben gezeichnet, oft eine ziellose Aggression und Brutalität entwickelt haben. Auch der im Grunde anständige Harry wird unweigerlich in diese Gewaltspirale hineingezogen.
  Neben dem deutlich merkbaren, sozialen Engagement des Autors ist es aber noch eine hervorragend erzählte Abenteuergeschichte voller interessanter Figuren. Sollte jemand noch nichts von Hemingway gelesen haben, soll er sich ja nicht von dem großen "literarischen" Namen abschrecken lassen.

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