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Dominique Manotti
Ausbruch
(L'évasion)

Argument
2014
Übersetzt von Andrea Stephani
256 Seiten
ISBN-13: 978-3867542180
€ 17,-


Von Hans Durrer am 29.07.2014

  Die Krimis von Dominique Manotti, die ich bisher gelesen habe (Roter Glamour, Einschlägig bekannt, Zügellos, Letzte Schicht, Das schwarze Korps), habe ich regelrecht verschlungen. „Ausbruch“ hat mich hingegen weniger gepackt, jedenfalls die erste Hälfte, doch so ungefähr ab der Mitte war ich dann wieder in diesem für mich typischen Manotti-Sog drin.
 
  Dominique Manotti ist Historikerin und der Aufklärung verpflichtet. In „Ausbruch“ erzählt sie die Geschichte der italienischen Linken durch drei Dekaden. „Und die Geschichte in der Geschichte führt vor Augen, wie schmal der Grat zwischen Erlebtem und Erträumtem sein kann“, lässt der Verlag wissen. Man ist ja manchmal froh, wenn einem gesagt wird, was man gerade gelesen hat. Es kann aber eben auch vorkommen, dass man das irritierend findet. Vor allem, wenn man selber zu einem ganz anderen Schluss gekommen ist. Ich jedenfalls wäre nicht auf den „Grat zwischen Erlebtem und Erträumtem“ gekommen, ich bin überhaupt nicht zu einem Schluss gekommen, ausser dem, dass ich die Geschichte arg konstruiert und in der zweiten Hälfte Manotti-spannend (als Qualitätsprädikat gemeint) empfunden habe.
 
  Carlo gehört zu den extremen Linken und sitzt im Gefängnis, wo seine Erzählungen von den politisch motivierten Kämpfen der 1970er die Phantasie des Kleinkriminellen Filippo anregen. Als Carlo aus dem Gefängnis flieht, heftet sich Filippo an dessen Fersen, Carlo macht ihm jedoch schnell klar, dass sie getrennte Wege zu gehen hätten.
 
  Filippo flüchtet zu Fuss nach Paris, wo er sich bei Carlos Freundin, die dort im Exil lebt, meldet, die ihm widerstrebend weiterhilft. Carlo stirbt in Italien bei einem Banküberfall.
 
  Filippo kommt als Nachtwächter unter, schreibt einen Roman, in dem er seine und Carlos Flucht akkurat schildert und den Banküberfall, bei dem Carlo ums Leben kommt, imaginiert. Das Buch wird ein Renner und von vielen für einen authentischen Erfahrungsbericht gehalten. Plötzlich gerät Filippo zwischen alle möglichen Fronten – Polit-Exilanten, Verlag, italienische Staatsanwaltschaft und Polizei, Geheimdienste.
 
  Gefallen haben mir in „Ausbruch“ vor allem, wie treffend Manotti die Streitereien innerhalb der Exil-Linken schildert. Dann aber auch die Fast-Liebesgeschichte zwischen dem Kleinkriminellen Filippo und der Arbeitsmedizinerin Christina. Und nicht zuletzt Manottis Plädoyer fürs Schreiben: „Bloss nicht den Faden verlieren. Wieder mit Schreiben anfangen. Er hat keine Zweifel, keine Angst mehr. Mit Worten wird alles möglich. Schreiben, die Waffe zum Sieg. Er langweilt sich nicht mehr.“ Und gerade noch einmal: „Ja, ich gebe auf. Dieser Kampf ist verloren. Wenn ich versuchen will, unsere Vergangenheit zu retten, bleibt mir nur eins. Romane schreiben.“
 
  Und das tut Dominique Manotti. Und ihre Leser sind dafür dankbar.

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