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Maike Maja Nowak
Wie viel Mensch braucht ein Hund

Mosaik Verlag
2013
272 Seiten
ISBN-13: 978-3442392209
€ 17,99


Von Hans Durrer am 15.07.2014

  Maike Maja Novak war neunzehn Jahre als Liedermacherin erfolgreich und arbeitet heute als anerkannte Trainerin für Mensch-Hund-Kommunikation. Von 1991- 97 lebte sie in dem russischen Dorf Lipowka und beobachtet dort, wie ihr Leithund Wanja ein zehnköpfiges Hunderudel führte. In ihrem Dog-Institut in Berlin, das Hundehalter aus der ganzen Welt besuchen, orientiert sie sich am Führungsstil von Hunden.
 
  In ihren tierisch menschlichen Geschichten „Wie viel Mensch braucht der Hund“ erzählt Maike Maja Novak aus ihrem beruflichen Alltag. Da trifft sie auf einen desinteressiert wirkenden Herdenschutzhund und zwei nettere ältere Leute, „die leider nicht wissen, was für einen Hund sie da haben ...“ und auch nicht wissen, dass das vermeintliche Vibrationshalsband ein Elektrohalsband ist, aus dem Elektroschocks gesendet werden. Das Desaster ist vorprogrammiert. Und sie lernt Villenbesitzer kennen, die ihrem Pudel Leibchen anziehen und sich ärgern, dass er beisst. „Stellen Sie sich vor, man würde Sie den ganzen Tag wie eine Frau behandeln, obwohl sie ein Mann sind. Würden Sie sich respektiert fühlen? Genauso wenig lässt sich ein Hund gerne wie ein Baby behandeln.“
 
  Wenn Maike Maja Novak wegen Problemen mit Hunden herangezogen wird, dann bereitet sie sich nicht speziell vor, sondern fährt einfach hin und lässt sich dann von der Situation vor Ort leiten. „Ich plane meine Aktionen nicht vorher, sondern handle rein instinktiv und richte mich ausschliesslich nach der Situation sowie dem Verhalten und Wesen des jeweiligen Hundes.“
 
  Trifft sie dann vor Ort ein, bemühen sich die Hundebesitzer oft, einen braven Hund vorzuzeigen. Einmal, an einem heissen Sommertag, findet sie vier reglose, zottige, schwarze Neufundländer vor und schildert diese mich schmunzeln machende Szene: „Das Gemälde im Hintergrund bewegt sich. Einer der Neufundländer hebt den Kopf und blinzelt zu uns hinüber. Sein Kopf fällt nach dieser Anstrengung, von einem lauten Seufzer begleitet, wieder auf den Boden. Die anderen drei Hunde bewältigen das Abschätzen der Situation nur mit den Augen.“ Plötzlich zerreisst ein sirenenartiger Ton die Stille ...
 
  Unter den Hundebesitzern, auf die Maike Maja Nowak trifft, gibt es auch solche, die eindeutig zu den Tierquälern zu zählen sind, sich dessen jedoch – selbstkritisch zu sein, ist nicht jedem gegeben – überhaupt nicht bewusst sind. „Anschreien, Schlagen, Treten, der Einsatz von Elektroschockgeräten, Isolationshaft, Würgen und andere Willkür“ sind Methoden, die für einige unter Hundeerziehung laufen, jedoch nichts anderes als Misshandlung und Folter sind. „Wie wir Menschen jemals auf die Idee kommen konnten, dass sie für die Hundeerziehung angebracht sind, sagt leider viel über uns und unsere Haltung Tieren gegenüber aus.“
 
  „Wie viel Mensch braucht ein Hund“ lässt den Leser nicht nur an Frau Nowaks Arbeit mit Hunden teilhaben, sondern geht weit darüber hinaus. So zeigt sie etwa auf, wie Verhaltensänderungen des Hundehalters sich eben nicht nur auf den Hund, sondern auch auf den Hundehalter selber auswirken. Natürlich, für Aussenstehende ist das so recht eigentlich wenig überraschend, doch für die Direkt-Beteiligten ist das eine ganz andere Geschichte, nämlich eine Erfahrung. Und nur durch Erfahrungen sind Verhaltensänderungen möglich.
 
  Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der Fall des magersüchtigen Mädchens Farina und ihrem kräftigen Deutsch-Kurzhaar-Rüden. „Weil es gerade das Gefühl von Kontrolle ist, das der Magersucht zugrunde liegt, ist es sehr schwer, diese aufzugeben ... Diese Kontrolle ohne therapeutische Unterstützung aufzugeben würde für einen Menschen mit Magersucht bedeuten, sich wieder dem Gefühl der Ohnmacht ausliefern zu müssen.“ Es geht also darum, sich der Angst zu stellen. „Die Kraft der Angst ist bei einem einzelnen Auslöser häufig stärker, als wenn man sich mit vielen Eindrücken zugleich auseinandersetzen muss. Ich rechne deshalb damit, dass Farina zwar ihre Angst bei einzelnen Hunden aufrechterhalten kann aber nicht bei den Dutzenden von Hunden, die uns nun im Laufe einer Stunde begegnen werden.“ Doch Farina knickt ein, sie scheint mehr Unterstützung zu brauchen, als ihr Maike Nowak geben kann. In die Klinik zu gehen, lehnt sie jedoch ab, das bringe nichts, sie wolle es nochmals versuchen ... und diesmal klappt es.

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