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Evelina Jecker Lambreva
Vaters Land

Braumüller
2014
241 Seiten
ISBN-13: 978-3992001064
€ 21,90


Von Rudolf Kraus am 20.06.2014

  Nach dem plötzlichen Tod des Vaters, macht sich die Erzählerin Inna auf in ihre alte Heimat Bulgarien.
  Die Totenwache beim Vater wird zum Auslöser für die Auseinandersetzung mit dem Vater aber auch mit dessen Heimatland = Vaters Land.
  „Warum konntest du die Dämonen der Vergangenheit nicht besiegen, Vater, du warst ein so willensstarker Mann? Du hast sogar die Folter in den dunklen Kellergewölben der Miliz überlebt, bist ein geschätzter Arzt geworden! …
  Welch eine Todessehnsucht muss dich durch dein Leben begleitet haben, Vater, der du für Jahrzehnte in dem gackernden, stinkenden kommunistischen Hühnerstall Bulgarien eingesperrt warst und nur noch das Böse in deinen Landsleuten sehen konntest.“ (S. 217).
  Evelina Jecker Lambreva erzählt von einer Kindheit in Bulgarien, die von Strenge, Härte, aber auch Zuneigung gekennzeichnet ist.
  Der Vater verachtete die Bulgaren, war sehr streng und hart zu Inna, aber er bestand darauf seiner Tochter schon sehr früh deutsch beizubringen. Somit war sie von Anfang an isoliert, denn das Deutsche stand im kommunistischen Bulgarien für Faschismus und Kapitalismus, auch wenn es später durch die DDR etwas besser wurde.
  Inna erzählt vom Leben auf dem Lande bei den Großeltern, von findigen Bauern und windigen Funktionären, von der harten Ausbildung am Gymnasium. Inna heiratet und bekommt einen Sohn namens Danail, der sich in einer schwierigen Zeit eine Art Bindeglied zwischen Inna und ihrem Vater erweist, der auch Danail die deutsche Sprache und Kultur beibringt. Inna bekommt einen Posten in der Schweiz und emigriert dorthin. Danail bleibt beim Großvater und bei einem Besuch in Deutschland überschlagen sich die politischen Ereignisse im Heimatland Bulgarien, sodass Vater und Enkel als Flüchtlinge In Deutschland bleiben. Das vom Vater so geliebte Deutschland schiebt aber die beiden nach einiger Zeit wieder nach Bulgarien ab, weil sich dort die Verhältnisse stabilisiert haben. Nie wieder danach sollte der Vater ein Wort über Deutschland verlieren. Traurig, ausgereift, intensiv und berührend ist dieser Roman von Evelina Jecker Lambreva, ein Stück Vaters Land, ein Stück Geschichte und noch dazu ein Stück gute Literatur.

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