Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Martin Mandler
Shooting Stars

Luftschacht
2013
236 Seiten
ISBN-13: 978-3902844248
€ 21,50


Von Rudolf Kraus am 20.06.2014

  Der Protagonist dieses Romans, ein ehemaliger Hauptmann der deutschen Bundeswehr in Afghanistan, beschließt Ikonen der deutschen TV-Welt zu erschießen, sie vielmehr auszulöschen, ihre Bilder verschwinden zu lassen, die unaufhörlich via TV auf uns herein plätschern.
  Sein erstes Opfer ist Dieter, kurz darauf folgen Heidi und ihr Bodyguard, sowie Samy und ein Verkäufer. Anke, Till und Ralf sterben auf der Terrasse von Stefan, der zwar überlebt, aber von einem Amokläufer im Studio getötet wird.
  Diese Attentate lösen nicht nur Schrecken aus, sondern finden auch Nachahmer in Frankreich, Schweden und schlussendlich auch in den USA. Die Staaten reagieren mit restriktiven Maßnahmen wie Ausnahmezustand und Überwachung, doch das Prominentensterben geht weiter.
 In Schweden wird die gesamte Fußballnationalmannschaft ausgelöscht, in Paris fällt Carla einem Anschlag zum Opfer, in Rom, London und New York gibt es weitere Opfer.
  Er der Protagonist hat mit seinen Anschlägen eine Art weltweite Revolution ausgelöst, eine Art gesellschaftsverändernde Maschinerie losgetreten. Obwohl Mandlers Protagonist als kriegsgeschädigter Verlierer dargestellt wird, der von seiner geschiedenen Ehefrau und den beiden Kindern getrennt lebt, trägt er dennoch auch freundliche Züge in sich.
  Seine Verhaltensweisen sind freilich mehr als problematisch. Selbstüberschätzung und –überhöhung, Narzissmus, Realitätsverlust und Perfektionismus sind einige Schlagwörter, die ihn beschreiben. Ein kalter Scharfschütze, der punktgenau funktioniert:
  „Ich werde warten. Ich werde hier an meiner AS50 warten“ (S. 201).
  Und spätestens hier nimmt der Roman verschrobene und satirische Züge an. Es ist nicht mehr klar, wie weit Martin Mandler provozieren möchte, wo sich Gesellschaftskritik und Fiktion treffen.
  „Sie haben diese Schlacht verloren. Und die Bilder haben ihre Macht verloren, weil sie von anderen Bildern überschattet werden“ (S. 224).
  Mandlers zweiter Roman behandelt ähnlich wie sein Debüt „23 Tage“ das Thema Medien. Überlebensgroße Bilder von Prominenten sind laufend präsent, bedrängen und nerven. Mandler verspottet sie in „Shooting Stars“ auf eine vollkommen radikale Art und Weise: sie werden fiktiv ausgelöscht.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.