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Andreas Neeser
Zwischen zwei Wassern

Haymon
2014
176 Seiten
ISBN-13: 978-3709971321
€ 17,90


Von Sabine Breit am 04.05.2014

  In der Bretagne Muscheln suchen – kann das gefährlich werden? Es kann. Es kann sogar tödlich enden. Und dann muss der Überlebende einen Neuanfang versuchen. Sein Leben neu einzurichten, weiter zu leben nach dem Überleben.
  Ein Jahr nach Véro´s Tod fährt er wieder zu seinem Freund Max, dem Künstler, der seine Skulpturen in den Garten stellt, weil niemand sie haben will, der sich seine Fische selber fängt und möchte, dass der Freund die Angst vor dem Wasser verliert. Nur – wie soll das gehen? Seit dem Unfall reagiert er auf jeglichen Kontakt mit Wasser mit juckenden Ausschlägen. Verbringt fünf Wochen Urlaub genau dort, wo er Véro verloren hat, um von ihr Abschied zu nehmen, um einen Anfang zu finden. Jeden Tag geht er auf die steinerne Kanzel über dem Meer vor Feunteun Aod und legt einen Stein auf den Haufen zu den anderen Steinen. Und jeden Tag zerreißt er ein Foto von Véro und verstreut die Teilchen ins Meer. Krabbenfutter. Ein Wort, das er anfangs gar nicht denken kann, ohne Schmerz zu empfinden. Doch er kämpft auf viele Arten gegen den Schmerz, die Leere, die Unfähigkeit, zu akzeptieren oder einen Grund zu erkennen. Es gibt auch keinen Grund für Véro´s Tod. Das Meer macht keine Fehler. Natürlich – sie hätten an diesem Tag nicht Muscheln suchen müssen. Sie hätten sich dort oben auf dem Felsen von Penn ar Sont nicht lieben müssen, sie hätten, müssten, könnten ….. Konjunktiv. Das Leben geht nicht in Revision. Nun muss er allein damit zurechtkommen, dass das Meer Véro verschluckt und ihn selber wieder ausgespuckt hat. Max, der große Schweiger steht ihm bei, auf manchmal ruppige Art, doch er ist für den Freund da, und nötigt ihn kurz vor dem Heimflug, doch noch ins Wasser zu gehen, sich von der Welle niederreißen zu lassen. Skeptisch und eigentlich voll Zorn ob Max´ anscheinender Ignoranz lässt er es zu. Und danach sitzen die Freunde im feuchten Sand, am Ende des Sommers und am Anfang eines Lebens nach Véro. Er kann in den Augen von Max etwas sehen, das er noch nie gesehen hat….
 
  Andreas Neeser erzählt aus der Ich-Perspektive, wie der Überlebende versucht, anzunehmen, was nicht mehr zu ändern ist und ein Leben nach dem plötzlichen Tod der geliebten Partnerin zu führen. Verbunden mit wunderschönen landschaftlichen Impressionen, der kauzigen Zurückhaltung der bretonischen Bevölkerung und der Freundschaft mit dem ruppigen Bildhauer hat Andreas Neeser einen sehr anrührenden Roman geschaffen, der zeigt, wie es trotz aller Verzweiflung einen Weg aus einer scheinbar nie enden wollenden Finsternis gibt.
  Eine Geschichte über Liebe, Abschied und Freundschaft unter Männern, für die zu lesen man Ruhe und Taschentücher braucht. Gefühle nicht nur in Worte packen, sondern auch zwischen die Zeilen zu stellen – das kann Andreas Neeser hervorragend.

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