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Heinrich Steinfest
Der Allesforscher

Piper
2014
397 Seiten
ISBN-13: 9783492054089
€ 19,99


Von Sabine Breit am 07.04.2014

  Sixten Braun, Sohn einer Deutschen und eines Schweden, wird in Taiwan von einem der geschoßartig herumfliegenden Teile nach einer gärgasbedingten Explosion eines Wales fast erschlagen, überlebt wenige Wochen später einen Flugzeugabsturz ins ostchinesische Meer, verliert die Liebe seines Lebens noch bevor sie richtig beginnen konnte, wechselt seine Managerposition gegen den Posten eines Bademeisters und wird dann auch noch völlig unvorhergesehen Vater eines 7-jährigen Halbasiaten, der nicht nur nicht Deutsch spricht, sondern überhaupt keine gängige Sprache für die es einen Dolmetscher gibt.
 
  Damit wäre „Der Allesforscher“ in einem Satz – natürlich völlig unzureichend – widergegeben. Dieser eine Satz birgt aber auch Potential für mehrere Romane. Heinrich Steinfest hat einen daraus gebastelt. Böse Zungen würden vielleicht behaupten, es ist eine, aus an den Haaren herbeigezogenen, Fäden gewobene Geschichte; völlig skurril, surreal und wenig glaubwürdig. Jedoch – wer, wenn nicht das Leben selbst schriebe denn die spannendsten und unglaublichsten Geschichten?
  O.k. Heinrich Steinfests Geschichte ist grosso modo wohl schon seiner Phantasie entsprungen, aber sie hätte auch so stattfinden können. Wie die Episode mit dem auf einem LKW liegenden, mitten in der Stadt explodierenden Wales – dies passierte vor einigen Jahren tatsächlich.
  Heinrich Steinfest – bisher wahrscheinlich eher den Krimifans ein Begriff, hat sich mit diesem Roman weg von seinem gewohnten Genre auf neues, literarisches Terrain vorgewagt. Das hat er aber so einfühlsam und mitreißend gemeistert, dass er das ruhig öfter tun könnte.
  Sehr rührend, wie er die komplizierte, aber doch sehr innige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die ja keine leibliche Verwandtschaft darstellt, beschreibt. Sixten, der Vater bisher völlig ohne Erfahrung im Umgang mit Kindern stürzt plötzlich in die Rolle des Vaters eines Siebenjährigen, ohne Vorbereitung. Er meistert diese Herausforderung mit Empathie und in Erinnerung an die Liebe zur viel zu früh verstorbenen Mutter des Jungen. Und Simon, der Sohn - weil er sich nicht in einer gängigen Sprache mitteilt und auch nach Monaten und Jahren keine Anstalten macht, deutsch zu sprechen, wird von vielen als geistig zurückgeblieben gehalten. Was aber in keiner Weise zutrifft. Im Gegenteil, Simon besitzt viele Fähigkeiten, wie z. B. Klettern, Zeichnen, die seinem „neuen“ Vater auch erst nach und nach bewusst werden und er ihm insgeheim „den Allesforscher“ nennt, benannt nach einer Vaterfigur aus seiner eigenen Kindheit.
  Insgesamt ein Roman, der durch seine Skurrilität und seine, für den aufmerksamen Leser durch die ganze Geschichte verstreuten Lebens- und Alltagswahrheiten und -weisheiten besticht.
  Karl-Markus Gauß hat in der „Presse“ seine Begeisterung über diese „unglaublich“ gelungene Geschichte schon kundgetan. Ich kann mich seiner Meinung nur anschließen.

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