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Alberto Riva
Durst
(Sete)

Goldmann
2013
Übersetzt von Claudia Franz
576 Seiten
ISBN-13: 978-3442478408
€ 9,99


Von Hans Durrer am 20.03.2014

  Bei einem Thriller muss der Auftakt stimmen, und bei Alberto Rivas „Durst“ stimmt er, weil er das kommende Unheil ahnen lässt und man auch weiss, dass da noch mehr und vermutlich ganz anderes folgen wird. Und das tut es dann auch ... hauptsächlich in Brasilien, aber auch in Argentinien, China, Thailand ...
 
  Worum geht es?
  Die junge Wissenschaftlerin Sarah Clarice Young arbeitet im brasilianischen Staat Bahia für eine Umweltorganisation. In der Gegend, in welcher der Rio Sao Francisco durchfliesst, grassieren Krankheiten wie Cholera, virale Hepatitis, Gastroenteritis sowie Tumore in Rachen und Mund, aber auch den unteren Gliedmassen. Die Häufung ist ungewöhnlich und wird, so ist anzunehmen, mit dem Flusswasser zu tun haben. Das ist umso sonderbarer, als doch der seit Jahrzehnten verschmutzte Fluss wieder nutzbar gemacht werden soll und die Wasserqualität von der Regierung kontrolliert wird. Sarah Clarice geht der Sache nach, zusammen mit dem Chemiker Matheus Braga, dessen Wasserproben Erstaunliches zu Tage fördern: destilliertes Wasser, das in der Natur gar nicht vorkommt.
 
  Dann verschwindet plötzlich Matheus Bragas Bruder Nelson, ein mit Sarah Clarice befreundeter Arzt. Ein anonymer Anruf bringt die Polizei auf seine Spur; sie findet ihn ermordet, er wurde zu Tode gefoltert. Dann wird in Matheus' Büro an der Universität eingebrochen, Sarah Clarice von einem weissen Renault verfolgt ... Diese Handlung wird jedoch nicht gradlinig erzählt, sondern immer wieder unterbrochen von Schilderungen über das Innenleben und die Machenschaften des Industriekonzerns Miller-Johannsen, der einerseits vielfältigst und nicht mit besonders sauberen Methoden in das brasilianische Staats- und Wirtschaftsleben involviert ist. Und dann ist da auch noch der an Wasserrechten reiche und mächtige Drachen, Jean-Sebastian Faucon, „für seine engsten Mitarbeiter auch 'der Doktor'“. Überhaupt wimmelt es in diesem Buch von Leuten, die mit Doktor angeredet werden ... der Autor ist Italiener.
 
  Alberto Riva macht Brasilien spürbar. Immer mal wieder vermeinte ich selber vor Ort und mit dabei zu sein, in den Städten, auf den Strassen, unterwegs in diesem grossartigen Land. Auch nimmt dieser Thriller immer mal wieder Bezug auf die jüngste Geschichte wie die Zeit der Militärdiktatur oder die Angriffe der Verbrecherbande PCC im Mai 2006 auf die Polizei in São Paulo mit über hundertfünfzig Toten. Zudem erfährt man, dass einige der schönsten Frauen der Welt angeblich aus Aracaju im Bundesstaat Sergipe stammen.
 
  Was diesen Thriller lesenswert macht, ist nicht nur das brisante Thema Wasser (über das man viel Lehrreiches lernt), sondern auch, dass man dabei viel Wissenswertes über Brasilien erfährt, etwa über das Schulsystem oder die Rolle der 'Sonderberater'. Spannend sind auch die Geschichten in der Geschichte, etwa die, welche das faszinierend eigentümliche Verhältnis, das Sarah Clarice, wie zuvor schon ihre Mutter Angela, zu dem berühmten Maler Eliomar unterhält. Und nicht zuletzt gibt es da so schöne Dialoge wie diesem:
  „Wieder betrachtete er sie. 'Bist du ein Mann oder eine Frau?'
  'Ich bin das, von dem du wünschst, dass ich es bin, Schätzchen.'“
 
 PS: Die Übersetzung lässt teilweise zu wünschen übrig: da wird zum Beispiel der Forscher Ivan Ribeiro eingeführt und dann liest man: „Ivans Arbeit gefiel ihm“ anstatt „Seine Arbeit gefiel ihm“. Überhaupt ist das Buch sprachlich (und teilweise auch gedanklich) nicht gerade ein Genuss: „Die Universität war nicht mehr die strenge Alma Mater von einst, ausschliesslich auf die Forschung konzentriert und isoliert vom Rest der Welt. Heute arbeitet die Universität mit dem freien Markt zusammen, und dieser freie Markt war komplex und stellte neue Anforderungen. Um die zu befriedigen, konnte sich die Wirtschaft an die Wissenschaft wenden. Ivan war sich sicher, dass es überall so funktionierte. Er schätzte sich also glücklich.“

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