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Kim Newman
Anno Dracula
(Anno Dracula, 1992)

Heyne
1998
Übersetzt von Thomas Mohr
463 Seiten
DM 14,90


Von Alfred Ohswald am 23.06.2000

  Nachdem Van Helsing und seine Gefährten in seinem Kampf gegen Vlad Tepes, besser als Dracula bekannt, gescheitert ist, konnte der Vampir erfolgreich Königin Victoria umgarnen und sich zum Prinzgemahl emporschwingen. Von Helsings Kopf ziert seitdem den königlichen Palast an der Spitze eines Pfahls. Vampire zählen zum normalen Alltag Londons und immer mehr Engländer werden freiwillig zu einem Wesen der Nacht. Nicht zuletzt dank der möglichen Unsterblichkeit, aber auch wegen der immer geringeren Karrieremöglichkeiten als "Warmblüter".
  In dieser Situation taucht plötzlich ein Serienmörder auf, der als Opfer ausschließlich zum Vampir gewordene Prostituierte auswählt. Die Polizei tappt im Dunkeln und die Presse stürzt sensationslüstern sich auf die Geschichte. Charles Beauregard ist weltweit für den geheimnisumwitterten Club Diogenes tätig und wird auch auf diesen Fall angesetzt. Auch die Unterwelt ist wegen der Störungen durch die ständige Präsenz der Polizei an einer Aufklärung interessiert und unterstützt ihren sonstigen Gegner. Bei seinen Nachforschungen trifft Beauregard auf die schöne, intelligente Vampirin Geneviève Dieudonne, die nicht mit Dracula verwandten, sehr alten Vampirgeschlecht angehört. Auch sie ist an einer Aufklärung der Morde interessiert und unterstützt ihn bei seinen Bemühungen. Doch sie wird selbst von einen noch viel älteren und gefährlicheren Wesen verfolgt.
  Während dieser Vorgänge reist Dracula immer mehr Macht an sich und geht seinen grausamen Neigungen immer hemmungsloser nach. Auf Pfähle gespießte Menschen gehören bald zum alltäglichen Anblick in London.
 
  Newmans Roman spielt im aus zahlreichen Klassikern berühmten victorianischen London des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ist mit zahlreichen literarischen und realen Figuren dieser Zeit bevölkert. Oscar Wilde, Bram Stoker (verschollen), G. B. Shaw auf der seinen und Van Helsing (tot), Inspektor Lestrade (Konkurrent Holmes), Dr. Jekyll, Dr. Moreau, Fu-Manchu, der Elefantenmensch auf der anderen Seite sind nur einige prominente Beispiele der meist in kleinen Nebenrollen auftauchenden Protagonisten. Dieser Aspekt macht auch einen nicht zu unterschätzenden Teil des Unterhaltungswertes des Buches aus.
  Abgesehen davon wird in dem Roman die Jagd nach einem etwas abgewandelten "Jack the Ripper" mit einer erst am Ende hervortretenden Verschwörung erzählt die mit vielen Beschreibungen der besonderen Umstände des Zusammenlebens von Vampiren und Menschen gespickt ist. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Autor den verschiedenen während der Handlung auftauchenden Persönlichkeiten. Die Handlung selbst bietet ziemlich wenig Überraschungen.
  Bei der Schaffung der besonderen Atmosphäre des victorianischen England erreicht der Autor nicht ganz die Qualität vom ebenfalls in dieser Zeit spielenden "Sieben" von Mark Frost. Der Titel könnte manchen Leser zu dem Irrtum verleiten, daß es sich um ein eher humorvolles Buch handelt, was aber absolut nicht der Fall ist.

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