Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Patricia Highsmith
Suspense oder Wie man einen Thriller schreibt
(Plotting and Writing Suspense Fiction)

Diogenes
2013
Übersetzt von Anne Uhde
168 Seiten
ISBN-13: 978-3257242034
€ 9,90


Von Hans Durrer am 30.09.2013

  „Dieses Buch ist kein Ratgeber“, meint Patricia Highsmith im Vorwort, denn: „Man kann unmöglich jemandem raten, wie ein erfolgreiches – und das meint, ein lesbares – Buch zu schreiben ist.“ Anders gesagt, der Titel dieses Buches ist irreführend, denn er suggeriert, es gebe ein Rezept für einen guten Thriller. Jedenfalls wenn man ihn wörtlich nimmt. Doch das sollte man nicht. Was sollte man also dann? Patricia Highsmiths Gedanken zum Schreiben lesen. Sie lohnen. Weil sie anregen.
 
  Ein Buch sollte in erster Linie dem Autor gefallen, schreibt Highsmith. Eine Auffassung, die im Zeitalter der Marktforschung und Zielpublikumsobsessionen nötiger denn je ist.
 
  Ein Notizbuch solle man mit sich führen, und seine Erfahrungen nutzen, rät die Autorin. Was sie selber nie anregend gefunden habe, seien andere Schriftsteller. Die offenbar angelsächsische oder amerikanische Haltung, gemäss welcher ein Schriftsteller seine noch ungeschriebenen Geschichten für sich behalten solle, teilt sie und machte mich schmunzeln mit ihrer Bemerkung: „Wenn ich richtig verstanden habe, trifft das auf französische Autoren nicht zu, die sich gern treffen und über ihre Arbeiten reden.“
 
  Anhand ihrer eigenen Werke erläutert die Autorin, worauf es ihr ankam, worauf sie achtete, was sie sich beim Schreiben überlegte. Dabei fehlt es ihr nicht an Humor: „Meine Synopsis war viel komplizierter und nicht ganz so schlecht, wie es sich hier anhört. Abgelehnt wurde die Geschichte trotzdem.“
 
  Empfänglichkeit und Achtsamkeit gegenüber dem Leben sei das Ideal jeden Künstlers, so die Highsmith, „und geht ihm über all seine Arbeiten und Einstellungen. Das ist auch der Grund, warum kreativ arbeitende Menschen soziologisch als klassenlos gelten. Da sie sich in ihrem Wesen ähnlich sind und einander in diesem fundamentalen Bereich verstehen, fällt es ihnen gewöhnlich leicht, aufeinander zuzugehen, egal, aus welchem Milieu sie stammen.“
  Es sind solche Ausführungen – und es hat einige davon in diesem schmalen Band – , die nicht direkt mit dem Schreiben eines Thrillers zu tun haben, die mich vor allem faszinieren, die jedoch wichtig sind, weil sie mit der Grundbefindlichkeit, der Haltung, des Schriftstellers zu tun haben.
  Hier gleich noch ein Beispiel: „Es soll Maler geben, denen es genügt, nur für sich selbst zu malen, und denen es auch egal ist, ob jemals eine Galerie sie ausstellen oder irgendjemand ein Bild von ihnen kaufen will. Es erfordert schon ein grosses Mass an Selbstgenügsamkeit, wenn man nur besser werden will, um vor sich selbst bestehen zu können (...) Schreiben ist eine Möglichkeit, Erfahrungen, ja sogar das Leben zu verarbeiten, und dieses Bedürfnis hat man als Schriftsteller, selbst wenn ein Publikum fehlt. Dennoch möchten wohl die meisten Maler und Autoren, dass ihr Werk von vielen Leuten gesehen und gelesen werden soll, und der Kontakt zum Publikum ist ihnen für ihr Lebensgefühl sehr wichtig.“
 
  Zwar führe ein Schriftsteller ein freies und ungebundenes Leben, könne also in der Nachsaison nach Mallorca fliegen und dort ein paar Wochen sonnenbaden, während seine Bekannten in den Grossstädten ihrer Arbeit nachgehen müssten, doch seien die Finanzen oft ein Problem. So habe der amerikanische Autorenverband festgestellt, „dass in den USA fünfundneunzig Prozent aller Schriftsteller nicht vom Schreiben leben können und deswegen ihr Leben lang einen Brotjob behalten müssen.“ Wer jetzt denkt, Patricia Highsmith rufe zur staatlichen Unterstützung von Schriftstellern auf, hat sich jedoch gründlich getäuscht. Man solle sich erinnern, meint sie vielmehr, „dass Künstler – genau wie Schnecken und Hohlwirbelfische und andere bleibende Formen organischen Lebens – schon existiert und sich durchgeschlagen haben, als man noch nicht einmal daran dachte, dass es so etwas wie Regierungen je geben könnte.“

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.