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Christine Lehmann
Die Affen von Cannstatt

Argument Verlag
2013
288 Seiten
ISBN-13: 978-3867541954
€ 12,-


Von Alfred Ohswald am 28.08.2013

  Obwohl sie durchaus auch hier eine wichtige Rolle spielt, ist Lehmanns sonstige Heldin Lisa Nerz hier nur Nebendarstellerin, die nur kurz am Ende zu Wort kommt. Sonst ist das Buch ausschließlich aus dem Blickwinkel der jungen Camilla geschrieben, die unter Mordanklage in Untersuchungshaft sitzt. Dabei berichtet sie in zwei auch typographisch unterschiedlich gedruckten Zeitebenen. Einmal im Rückblick, wie ihr Leben von der Begegnung mit dem Mordopfer, ihrem ehemaligen Liebhaber, und dessen Tod verlief und einmal die Ereignisse die ihr während ihrer Haftzeit zustoßen.
  Der Mord geschah auf recht spektakuläre Weise. Der Ermordete wurde in einem Zwergschimpansenkäfig im Zoo aufgefunden. Er war, angeblich mit Camillas Hilfe, dort eingebrochen und von den Bonobos getötet worden. Diese Bonobos sind eigentlich dafür bekannt, dass sie besonders friedfertig sind und alle Konflikte mit Sex regeln. Camilla hatte sie vor Jahren für ihr Soziologiestudium einige Zeit beobachtet, was einen zusätzlichen Verdacht auf sie wirft.
 
  Neben einigen recht differenzierten Gedanken über Frauenrechte und Machtverhalten von Männern, wird auch recht ausführlich über das Erleben des Eingesperrt- und Ausgeliefertsein während der Haft erzählt. Aber in erster Linie versteht es Lehmann, eine interessante Geschichte spannend zu erzählen. Von einer klug konstruierten Geschichte, in die eine Menge offensichtlich ausgiebig recherchiertes Wissen unaufdringlich eingebaut wurde, bis zu interessanten und glaubwürdig beschriebenen Charakteren und einem Handwerklich überzeugenden Erzählstil passt so ziemlich alles in „Die Affen von Cannstatt“. So ganz nebenher weist sie deutlich darauf hin, wie unbrauchbar tierisches Verhalten letztlich als Erklärung für menschliches Verhalten ist, egal für welche ideologische Glaubensrichtung und wie nah diese Tierart mit uns verwandt ist.

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