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Adam Johnson
Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
(TheOrphan Master's Son)

Suhrkamp
2013
Übersetzt von Anke Burger
687 Seiten
ISBN-13: 978-3518464250
€ 22,95


Von Alfred Ohswald am 18.07.2013

  Jun Do (Anspielung auf John Do, die gebräuchliche Bezeichnung für Personen ohne bekannte Identität) wächst in einem Waisenhaus auf, obwohl er eigentlich keine Waise ist. Als eine große Hungersnot in Nordkorea ausbricht, gehört er zu den wenigen Überlebenden und wird zu einem Tunnelsoldat ausgebildet. Tunnelsoldaten sind eine Elitetruppe, die in völliger Dunkelheit in nach Südkorea hineingegrabenen Tunneln Vorstöße unternehmen.
  Danach gehört er zu einer kleinen Gruppe, die Menschen aus Japan entführen. Als Nordkorea diese Entführungen beendet, landet er auf einem Fischerboot als Funkabhörexperte, weil er Englisch beherrscht.
 
  Dieser Roman scheint weitgehend in einer wirklich fremden Welt zu spielen. Selbst manche Science-Fiction- oder Fantasyromane bieten keine derart fremdartige Umgebung. Und es ist eine über alle Maßen grausame und brutale Welt. Besonders gegen das Ende zu, als der Held im Lager zu überleben versucht und schließlich in den Folterkellern des Systems landet, brauchen Leser schon gute Nerven. Wer die Ergebnisse der ausführlichen Recherchen des Autors bezweifelt, sollte „Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam“ lesen, in dem ein ehemaliger Lagerhäftling aus Nordkorea seine Erlebnisse berichtet. Es mag nicht jedes Detail in „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ bis auf den Punkt stimmen, aber in den Grundzügen dürfte dieses Land tatsächlich die beschriebene Hölle für die meisten seiner Bewohner sein.
  Der Koreakrieg spielt hier keine Rolle mehr, der Roman spielt deutlich später. Bei einem Besuch des Helden in den USA kommt es durch das Aufeinandertreffen der extrem unterschiedlichen Kulturen auch zu einigen nicht unwitzigen Szenen. Aber sonst bleibt fast immer der Menschen verschlingende Fleischwolf Nordkorea im Hintergrund präsent.
  Das Buch hinterlässt einen tiefen Eindruck beim Leser über das Ausmaß, wozu Menschen fähig sind, anderen Menschen anzutun. Vielleicht benötigt es gerade dazu den vielleicht etwas plakativen Erzählstil Johnsons.

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