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Andrej Kurkow
Der wahrhaftige Volkskontrolleur
(Skazanie ob istinno narodnom kontrolere)

Haymon
2011
Übersetzt von Kerstin Mondschein
430 Seiten
ISBN-13: 978-3852186795
€ 22,90


Von Alfred Ohswald am 18.05.2013

  Pawel Aleksandrowitsch Dobrynin wird auf einer allgemeinen Kolchosversammlung zum Arbeitskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion gewählt. Somit macht sich Dobrynin ohne seine geliebte Familie auf nach Moskau. Dort erhält er von einem hochrangigen Funktionär im Kreml ein Pferd zum Geschenk und seinen ersten Auftrag. Mit dem Flugzeug geht es in den tiefsten und kältesten Norden Sibiriens, wo Naturvölker Pelze in der Eiswüste jagen.
  Gleichzeitig wird noch die Geschichte eines leibhaftigen Engels auf, der sich mit einer Gruppe Rotarmisten, Kolchosenflüchtlingen und Bauarbeitern auf die Suche nach dem gelobten Land macht. Weiters ist dann noch der Schuldirektor Banow, der sich in die Mutter eines Schülers verliebt und Iwanow, der Künstler mit seinem Gedichte rezitierenden Papagei.
 
  Auch aus dieser oberflächlichen Inhaltsbeschreibung geht schon leicht erkennbar hervor, dass es in „Der wahrhafte Volkskontrolleur“ ab und an etwas absurd zugeht, wie das bei osteuropäischen Autoren ja allgemein nicht unbedingt selten der Fall ist. Der Engel und ein noch lebendiger, im Untergrund des Kremls hausender Lenin zeigen deutlich, dass Lurkow es mit der Realität manches Mal nicht so eng sieht, obwohl diese phantastischen Elemente eher eine kleine Nebenrolle spielen.
  Die vier verschiedenen Handlungsstränge haben zumindest in diesem ersten Teil noch keinerlei Berührungspunkte aber da eine Trilogie geplant ist, kann sich das ja noch ändern. Darum überrascht es auch nicht besonders, dass es kein wirkliches Ende in dem Buch gibt. Das gilt natürlich auch für „Der unbeugsame Papagei“, den zweiten Teil, in dem auch die Zeit des 2. Weltkrieges kommt und geht. Von den vier Helden bekommen eigentlich nur der Künstler und sein Papagei dabei etwas ab und landen beide in einem Lazrett.
  Einen kleinen Zusatznutzen haben deutsche Leser, weil aus der Namensähnlichkeit der Hauptfigur mit einem süddeutschen Politiker im Hinterkopf durchaus manches witzige Bild entstehen kann.
  Und zumindest im ersten Teil ist die Sowjetunion eher eine Art skurriler Operettenstaat, anstatt eine recht rigide Diktatur. Und von Geheimdienstmann über die Funktionäre bis den Militärs laufen nur recht naiv-gutmütige Menschen darin herum. Es bricht zwar ab und zu und zunehmend teilweise recht brutale Gewalt hervor aber die wird meist ohne jegliche Bösartigkeit ausgeübt, wie Kinder Spielzeug kaputt machen. Aber in „Der unbeugsame Papagei“ beginnen Repressalien zu wirken, die trotz aller Naivität zunehmend bedrohlicher wirken.

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