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Irene Hanappi
Prag: Gehen, sehen und genießen
5 Routen durch die Hauptstadt der Tschechischen Republik: Geschiche, Kultur, Sightseeing, Essen und Trinken

Falter Verlag
2012
136 Seiten
ISBN-13: 978-3854394693
€ 9,90


Von Alemanno Partenopeo am 26.04.2013

  Prag im Frühling? Prag hat zwar immer Saison, aber besonders im Frühling, wenn die ersten Biergärten in Zizkov oder Vinohrady aufsperren, ist die Stadt an der Moldau am schönsten. Obwohl die Stadt nicht am Meer liegt, haben ihre Bewohner doch recht maritime Eigenschaften. Man braucht nur an Ingeborg Bachmanns Gedicht „Böhmen liegt am Meer“, das eigentlich auf einen Ausspruch Shakespeares zurückzuführen ist, denken, um das eigentliche Wesen dieser Binnenmatrosen zu erfassen: Wasser in jeder erdenklichen Form fließt hier nämlich in Strömen, besonders jenes, das mit Hopfen und Malz angereichert wurde. Aber auch die Grußformeln erinnern einen mehr ans Meer, denn an Mitteleuropa. Den alten Seemannsgruß „Ahoj“ bentutzt man in Tschechien als Begrüßung und hartnäckige Gerüchte behaupten, der Seemannsgruß sei eigentlich ein Idiom aus dem „Milieu“, nämlich für: „A hoj! Kdo nehojil, tomu upad“ („Und holla! Wer ihn nicht geheilt hat, dem ist er abgefallen!“). Die Prostituierten warnten ihre Kolleginnen auf diese Weise vor den Matrosen aus den tschechischen Industriehäfen an Moldau und Oberelbe vor deren „Berufskrankheit“ Syphilis. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass tschechische Seeleute den Ruf aus Hamburg mitbrachten, da die Spedition Tschechoslowakische Elbe-Schifffahrt ja auch den Moldauhafen betrieb und 1929 an die Tschechoslowakei verpachtete. Der Diminutiv „ahojka“ („Pröstchen“) eignet sich übrigens auch vorzüglich als Trinkergruß, womit wir wieder bei den Biergärten und damit beim Falter Reiseführer wären.
  Die Falter CITYwalks in deren Reihe von Irene Hanappi auch die Reiseführer zu Bratislava, Brünn und Linz erschienen sind, zeichnen sich nicht nur durch ihr handliches Westentaschenformat, sondern auch durch ihre Aktualität und die vielen Tipps und farbigen Fotos aus. Die fünf Stadttouren führen nicht nur durch das klassische Prag, sondern auch ein Prag off the beaten tracks. Wer sich etwa für den vielzitierten tschechischen Untergrund interessiert, wird sich besonders über die fünfte Tour freuen, die die besten Plätze zum Ausgehen am Abend besucht. Tatsächlich spielt sich das Prager Nachtleben hauptsächlich im Untergrund ab, da sich viele Kneipen in Kellergewölben befinden, die sich oft unter mehreren Häuserblocks ausbreiten. Platzangst braucht man also keine zu bekommen, denn die Gewölbe sind oft sehr hoch und bieten genügend Platz für viele Tische und zusätzliche Tanzflächen. Dass sich Essen gehen und ausgehen gut verträgt, hängt wohl auch damit zusammen, dass man eine gutes „Fettpolster“ braucht, um die Prager Nächte zu überleben. Getrunken wird nämlich in sprichwörtlichen Bächen besonders das 10-grädige Bier, das runtergeht wie Wasser. Wer glaubt genügend Unterlage für das 12-grädige Bier zu haben, der wird sich am nächsten Tag aber dennoch über einen gewachsenen Kater freuen. Am besten lässt sich sicherlich im Palac Akropolis feiern, im Altprager Stadtteil Zizkov, wo es gleich vier Kneipen unter einem Dach gibt. Oben im Erdgeschoss kann man essen oder in einer echten Teestube Tee trinken, unten gibt es den Konzertsaal und die unglaublichste Bar der Welt. Eine weitere Besonderheit des Prager Nachtlebens ist auch der Cross-Club in Holesovice, beim Bahnhof, wo die meisten ausländischen Besucher in Prag ankommen. In diesem Club kann man umgeben von Industrial-Kunst und Skulpturen nicht nur tanzen, sondern natürlich auch essen und viel trinken.
  Dass Prag natürlich auch sehr viel Kultur und Geschichte zu bieten hat, weiß man spätestens seit der samtenen Revolution, die die Stadt auch dem Massentourismus zugänglich gemacht hat. Seither blühen in Prag nicht nur die Kastanienbäume der Biergärten bunter, sondern auch das Kunst- und Galerienleben, das locker mit westeuropäischen Städten mithalten kann. Das interessanteste Gefüge aus alt und modern Mitteleuropas macht den Besuch der Moldaumetropole zu einer Reise in eine immer noch spannende Stadt, die viel mehr zu bieten hat, als nur Bier und Knödel. Der Falter City Reiseführer führt durch die Literaturcafès, die Theater und Galerien, Museen und Anitquariate und natürlich auch durch die neuesten Shops, die tschechisches Design anbieten. Und das muss durchaus nicht immer kubistisch sein, sondern ist oft auch sehr futuristisch, obwohl es aus den Sechzigern stammt.

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