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Ken Saro-Wiwa
Sozaboy
(Sozaboy, 1985)

dtv
1997
Übersetzt von Gerhard Grotjahn-Pape
268 Seiten
DM 19,90


Von Alfred Ohswald am 28.04.2000

  Der junge Mene wächst in einem Dorf in Nigeria bei einer alleinstehenden Mutter auf und geht bei einem LKW-Fahrer in die Lehre. Er führt ein zufriedenes Leben und die Gerüchte über Krieg beunruhigen ihn nicht besonders. Als er ein schönes Mädchen kennenlernt und bald darauf heiratet, scheint sein Glück perfekt.
  Immer wieder begegnet er Soldaten, deren Auftreten und Uniform ihn unheimlich beeindrucken. Er beschließt, von seiner jungen Frau und anderen Dorfbewohnern bestärkt, ebenfalls Soldat zu werden. Bald nach einer oberflächlichen Grundausbildung werden er und seine Kameraden an die Front gekarrt und er muß schnell feststellen, daß seine Vorstellungen von schönen Soldatenleben nichts mit der Realität zu tun haben. Nachdem er eine strapaziöse Woche im Gefängnis verbracht hat, kommen bald darauf die meisten seiner Kameraden bei einem Bombenangriff um und er befindet sich auch der Flucht im Busch.
 
  Ken Saro-Wiwa erhielt wegen seines engagierten Einsatzes für die Umwelt und Minderheiten gegen die Regierung und Erdölkonzerne in Nigeria 1994 den alternativen Nobelpreis und wurde 1996 für den Friedensnobelpreis nominiert. Im Oktober 1995 wurde er gemeinsam mit acht Mitstreitern von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und trotz internationaler Proteste im November 1995 hingerichtet.
  Im Roman "Sozaboy" (Soza vom englischen Soldier) erzählt er von einem naiven Jungen vom Land, der sich vom Schein des respektierten und überall angesehenen Soldaten blenden läßt und während des Biafrakrieges in eine mörderische Odyssee gerät. Das ganze Buch ist in einem verhunzten Englisch geschrieben, das im ländlichen Nigeria häufig gesprochen wird. Eine direkte Übersetzung war kaum möglich, aber der Übersetzer hat mit einem "ungebildeten" Deutsch einen Weg eingeschlagen, der die Atmosphäre sehr gut wiedergibt.
  Das Buch zählt zu den eindrucksvollsten Antikriegsromanen und zu den bedeutendsten Stücken afrikanischer Literatur unseres Jahrhunderts. Trotz (oder wegen) seines eigenwilligen Stiles liest es sich sehr flüssig und ist hervorragend erzählt und darum auch für Leser empfehlenswert, die um "Literatur" sonst eher einen großen Bogen machen.

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