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Martin Balluch
Tierschutz-Staatsfeind
In den Fängen von Polizei und Justiz

ProMedia
2011
271 Seiten
ISBN-13: 978-3853713310
€ 15,90


Von Alfred Ohswald am 18.04.2013

  Vorneweg will ich festhalten, dass ich die Berechtigung des Themas Tierschutz und die Positionen und Aktionen des VGT (Verein gegen Tierfabriken) hier außen vor lasse. Eine Auseinandersetzung über die unterschiedlichen Positionen dazu würde vom eigentlichen Thema ablenken. Und dieses Thema ist der wohl größte Exekutiv- und Justiz-Skandal in Österreich seit Bestehen der 2. Republik. Natürlich ist dieser Bericht parteiisch aber aus einem Grund sehr glaubhaft. Die Gegner Balluchs hätten wohl jedes auch nur andeutungsweise zweifelhafte Wort herausgeklagt.
  Für alle, die von diesem Skandal nichts oder wenig mitbekommen haben, will ich eine kurze Zusammenfassung versuchen. Martin Balluch und 12 weitere, anscheinend recht willkürlich ausgewählte Tierschutzaktivisten und –innen wurden bei einer ziemlich überfallsartigen Festnahme in Untersuchungshaft genommen. Und damit begann ein wahrlich kafkaesker Alptraum. Sie wurden auf Grundlage eines Gesetzes gegen kriminelle Organisationen (später auch wegen Tierquälerei) (!) angeklagt, weil trotz beträchtliche Mühe und unter Umgehung zahlreicher Gesetze kein Nachweis einer anderen, konkreten Straftat gelang. Mit unvorstellbarem Aufwand wurden Sachverständige herbeigeschafft, die vor Gericht nicht standhielten und Observierungsmethoden angewandt, die man sonst nicht einmal gegen islamische Terroristen auffährt. Ein Beispiel: Als ein weiblicher Polizeispitzel bei einer Party einiger Mitglieder des VGT teilnahm, lauerte in einem Nebenraum eine Sondereinheit, um bei Bedarf eingreifen zu können. Man gewinnt den Eindruck, dass Polizei und Justiz begannen manches Mal an die von ihnen selbst konstruierte Gefahr zu glauben.
  Aber damit nicht genug, ergriffen von Anfang an einige Journalisten und durchaus auch prominente Politiker völlig einseitig Partei gegen die unschuldig Inhaftierten, die sich in ihrer Position natürlich praktischerweise kaum gegen diese Attacken zur Wehr setzen konnten.
  Und obwohl es schließlich nicht zuletzt aufgrund einer kritischen Öffentlichkeit zu keiner Verurteilung kam, waren am Ende doch alle unschuldig Angeklagten am Ende finanziell ruiniert und hoch verschuldet.
  Martin Balluch wechselt in seiner Schilderung der Ereignisse zwischen auch optisch (Schriftart) gekennzeichneten rein sachlichen Darlegung der Ereignisse und subjektiven Empfindungen und Eindrücken. Es zeigt sich auch, dass der Autor weder Schriftsteller noch Journalist ist. Es genügen zwar auch die reinen Fakten, um die Leser mitzureißen aber die Mitarbeit eines Journalisten o.ä. hätte das Buch vielleicht noch packender gemacht.
  Nach der Lektüre dieses Buches wird sich vermutlich mancher österreichischer Staatsbürger etwas weniger wohl fühlen. Auch die Forderungen von Politikern und Exekutive nach besseren Observierungsmethoden wird mancher vielleicht in einem anderen Licht sehen.

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