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William E. Bowman
Die Besteigung des Rum Doodle
(The Ascent of Rum Doodle)

Rogner & Bernhard
2013
192 Seiten
ISBN-13: 978-3-95403-010-1
€ 19,95


Von Hans Durrer am 08.04.2013

  „Das lustigste Buch, das Sie jemals lesen werden“, meint Bill Bryson. Und er hat recht. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, jemals bei einer Lektüre so heftig gelacht zu haben. Dieses Buch ist der ultimative Brüller und sei wärmstens empfohlen!
 
  Worum geht's? Sieben sehr britische Gentlemen machen sich auf, den Rum Doodle zu besteigen, über den wir erfahren: „Den Mont-Blanc über die Grépon-Route zu besteigen ist eine Sache, den Rum Doodle zu besteigen ist, wie Totter einmal gesagt hat, eine völlig andere.“
  Jeder der sieben ist völlig überfordert. Constant zum Beispiel, der Übersetzer, der mit der Sprache der Einheimischen (der Yogistaner) mehr als nur Mühe bekundet, engagiert anstelle der vorgesehenen 3'000 Träger (!) deren 30'000: „Constant erklärte mir, das yogistanische Wort für drei sei mit dem für dreissig identisch, abgesehen von einer Art Schnauben in der Wortmitte. Es sei natürlich unmöglich, dieses Schnauben per Telegramm zu übermitteln, und der Bang hatte es vorgezogen, die Nachricht als Bestellung von 30'000 Trägern auszulegen. Draussen veranstalteten die dreissigtausend beträchtlichen Lärm, und Constant sagte mir, sie würden Essen und einen Monatslohn verlangen. Falls wir ablehnten, so fürchtete er, würden sie den Zug plündern.“
 
  Erzählt wird die Geschichte vom Expeditionsleiter, der sich gerne zurückzieht, um über Führungsverantwortung zu meditieren; dann ist da der Hauptkletterer, der unter Antriebslosigkeit leidet, der Koch, dessen Essen absolut ungeniessbar ist und den Expeditionsleiter veranlasst, bereits vorbeugend eine Verdauungstablette zu sich zu nehmen, der Navigator, der trotz Einsatz seines Kompasses den Ort der Vorbesprechung in London nicht findet und schon mal die Truppe im Kreis wandern lässt, weil er vergessen hat, die Arretierung an seinem Kompass zu lösen und der ständig kranke Arzt,der darunter leidet, dass es ihm nicht gelingt, seine eigene Krankheit zu diagnostizieren: „Das Problem wurde schliesslich durch Constant gelöst, der ein Handbuch für Erste Hilfe hervorholte und feststellte, dass die Symptome exakt denen eines Blutsturzes entsprachen, nur die beiden letzten fehlten: Bewegungslosigkeit und Tod.“ Mein Liebling ist jedoch Donald Shute, der Fotograf mit einer dreidimensionalen kinematografischen Farbkamera im Gepäck, der sich erhoffte, „alle Aspekte der Expedition auf Film zu dokumentieren. Passende Liebes- und Unfallszenen würden von der Gesellschaft, die den Apparat zur Verfügung gestellt hatte, später ergänzt werden. Wenn dann das Originalmaterial auf ein Minimum zusammengeschnitten und noch ein patriotisches Lied eingefügt wäre, sollte der Film weltweit als ein Epos britischen Heldentums auf den Markt gebracht werden. Falls der Gipfel erreicht werde, würden dem erfolgreichen Paar – sofern die beiden jünger als sechzig und fotogen wären – Verträge für einen Kinofilm mit dem Titel 'Tarzan und der abscheuliche Schneemensch' angeboten werden.“
 
  Das Buch ist eine Parodie und geniesst offenbar Kultstatus in Bergsteigerkreisen. Das ist umso erstaunlicher als der Verfasser, wie Bill Bryson in seinem wunderbar anregenden und informativen Vorwort schreibt, Grossbritannien kaum einmal verlassen hatte „und sich nie an der Besteigung einer grösseren Erhebung als dem Sca Fell Pike im Lake District versucht hatte“. Übrigens: Der Sca Fell Pike ist zwar der höchste Berg Englands, doch gerade einmal 978 Meter hoch.
 
  „Die Besteigung des Rum Doodle“ ist ein Lesegenuss erster Güte und sein Verfasser, William E. Bowman, ein sehr spezieller Mensch, der seine Zeit auf diesem Planeten nicht auf Bergen, sondern als technischer Zeichner verbrachte und an seinen Abenden schrieb und zwar, so Bryson, „ernste und heitere Dichtung, ein Buch mit Kurzgeschichten, Polemiken verschiedener Art, eine Abhandlung über den Buchstaben A und – als sein Opus magnum – eine Überarbeitung von Einsteins Relativitätstheorie.“ Von einem solchen Mann bin ich bereit, alles zu lesen.

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